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Das Schulsystem im Grenzland

Das Schulsystem südlich der Grenze

Das Schulsystem in Schleswig-Holstein befindet sich zurzeit im Umbruch. Das bisherige dreigliedrige System mit dem Nebeneinander von Hauptschule, Realschule und Gymnasium nach der Grundschule wird nach und nach abgeschafft und es entstehen Gemeinschaftsschulen und Regionalschulen, die das längere gemeinsame Lernen bis zur 10. Klasse ermöglichen. Die Gymnasien bleiben weiterhin bestehen. Im Folgenden werden die neuen Schulformen näher beschrieben, die zurzeit auslaufenden, aber noch existierenden Schulformen (Hauptschule und Realschule) werden auch kurz skizziert.

Verlässliche Grundschule
Alle Kinder in Schleswig-Holstein besuchen 4 Jahre lang die Grundschule, die an die Bildungs- und Erziehungsarbeit der Kindertageseinrichtungen anknüpft. Die Grundschulen sind seit dem Schuljahr 2007/2008 „verlässliche Grundschule“. Die verlässliche Grundschule erzieht und bildet Kinder innerhalb eines festen Zeitrahmens verlässlich. Sie garantiert die Vermittlung von Lernstoffen beispielsweise auch bei Unterrichtsausfall und bietet Eltern die Möglichkeit, Familie und Beruf besser miteinander zu vereinbaren. Jede Schule entscheidet selbst über ihre Schulzeit – also über Beginn und Ende des Schulvormittags, es wird aber eine bestimmte Anzahl an Unterrichtsstunden gewährt.

Grundschulen sind dadurch gekennzeichnet, dass die Schüler in den ersten beiden Schuljahren keine Schulnoten, sondern eine verbale Beurteilung erhalten. Damit soll den Schülern der Leistungsdruck genommen werden. Ab dem 3. Schuljahr finden dann Benotungen statt. In der Grundschule sollen die Schülerinnen und Schüler in ihren geistigen, seelischen und körperlichen Fähigkeiten gefördert werden. Sie werden in der Regel in den Fächern Deutsch, Religion, Heimat- und Sachunterricht, Mathematik, Musik, Sport, Technik und Textillehre unterrichtet. Das Fach Englisch steht mit zwei Wochenstunden Unterricht auf dem Stundenplan aller 3. und 4. Jahrgangsstufen.

Gemeinschaftsschule
Das längere gemeinsame Lernen steht im Zentrum der neuen Gemeinschaftsschulen in Schleswig-Holstein. In dieser Schulart werden die Schülerinnen und Schüler von Jahrgang 5 bis Jahrgang 10 unter einem Dach zum Hauptschulabschluss, zum Mittleren Abschluss oder zum Übergang auf die gymnasiale Oberstufe geführt.

Die Gemeinschaftsschule wurde 2007 als weiterführende Schule in Schleswig-Holstein eingeführt. Der Unterricht findet weitestgehend gemeinsam statt, es können bei Bedarf aber auch klassen- oder jahrgangsübergreifende Lerngruppen gebildet werden. So kann im gemeinsamen Unterricht auf die individuellen Lernvoraussetzungen eingegangen werden. Das Wiederholen einer Klasse ist auch nur in Ausnahmefällen möglich, ebenso das Überspringen einer Klasse.

Zu den Zeugnisterminen im Sommer und Winter werden die Leistungen der Schüler schriftlich in einem Zeugnis dokumentiert, in welcher Form die Leistungsbeurteilung stattfindet, entscheiden die Schulen selbst. Am Ende der 8. Jahrgangsstufe müssen jedoch Zeugnisse mit Noten geschrieben werden.

Die Schüler können nach der 9. Jahrgangsstufe den Hauptschulabschluss erwerben. Dafür müssen sie an einer Prüfung teilnehmen, deren Aufgaben zentral gestellt werden. Das gleiche gilt für den Mittleren Abschluss, deren Prüfung nach der 10. Jahrgangsstufe abgelegt werden kann.
Die bisherigen Gesamtschulen, von denen es insgesamt rund 25 in Schleswig-Holstein gab, sind alle zur Gemeinschaftsschule umgewandelt worden.

Regionalschule
Die Regionalschulen sind an den ehemaligen Haupt- und Realschulen entstanden. Auch sie machen das längere gemeinsame Lernen möglich.

Die Regionalschule umfasst die Jahrgangsstufe 5 bis 10 (Sekundarstufe I). Sie sieht eine gemeinsame Orientierungsstufe (Jahrgangsstufe 5 und 6) für alle Schüler vor. Am Ende der 6. Jahrgangsstufe werden die Schüler dann den Bildungsgängen zum Hauptschulabschluss oder zum Realschulabschluss zugeordnet. In den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch wird auf unterschiedlichen Anforderungsebenen unterrichtet, in den anderen Fächern und im Wahlpflichtbereich ist auch gemeinsamer Unterricht möglich.

Am Ende der 8. Jahrgangsstufe erhält jeder Schüler im Zeugnis eine Abschlussprognose. Die Regionalschule bietet zwei Abschlussmöglichkeiten: den Hauptschulabschluss am Ende der 9. Jahrgangsstufe und den mittleren Abschluss am Ende der 10. Jahrgangsstufe.

Ob ein qualifizierter Hauptschul- oder auch ein qualifizierter mittlerer Abschluss erreicht worden ist, hängt von den Noten im Zeugnis ab. In Deutsch, Mathematik und Englisch muss der Notendurchschnitt besser als 2,4 sein, kein Fach darf mit der Note 6 bewertet worden sein und der Gesamtnotendurchschnitt muss mindestens 3,0 betragen. Mit dem qualifizierten Hauptschulabschluss kann der 10. Jahrgang der Regionalschule besucht werden. Der qualifizierte mittlere Abschluss berechtigt zum Besuch der gymnasialen Oberstufe an einem Gymnasium, einer Gemeinschaftsschule oder am Beruflichen Gymnasium.

Hauptschule und Realschule
Die überwiegende Zahl der Haupt- und Realschulen sind mittlerweile zu Regionalschulen zusammengeführt oder zur Gemeinschaftsschulen umgewandelt worden.
Die Hauptschule umfasst die Jahrgänge fünf bis neun. Einige Hauptschulen bieten zur Weiterqualifizierung auch den Besuch der 10. Klasse an. In der Regel erreichen die Schüler nach Abschluss der 9. Klasse den Hauptschulabschluss.
In der Hauptschule werden die Schülerinnen und Schüler grundlegend und lebensnah ausgebildet. Sie sollen die Fähigkeiten erhalten, sich in der stetig verändernden Umwelt zurecht zu finden, zu kommunizieren und zu kooperieren. Dabei wird in vielen Schulen Wert darauf gelegt, dass die Schülerinnen und Schüler Erfahrungen im Berufsalltag sammeln und Berufspraktika absolvieren. 
Die Realschule vermittelt den Schülerinnen und Schülern ein Bildungsniveau, das zwischen Hauptschule und Gymnasium liegt. Sie umfasst die Klassenstufen 5 bis 10 (Sekundarstufe I). Nach erfolgreicher Abschlussprüfung in der 10. Klasse endet die erfolgreiche Ausbildung der Schülerinnen und Schüler mit dem „Realschulabschluss“, mittlerweile „mittlerer Abschluss“ genannt. Dieser kann als Zugangsberechtigung zu vielen Ausbildungsberufen, aber auch zu Aufbaugymnasien, in denen die Allgemeine Hochschulreife erlangt werden kann, genutzt werden. Die Realschule vermittelt eine breite, vertiefte praxisorientierte Grundbildung.

Offene Ganztagsschule
Rund die Hälfte aller Schulen in Schleswig-Holstein sind Ganztagsschulen, eine überwiegende Mehrheit davon sind offene, einige wenige sind gebundene Ganztagsschulen. Die offene Ganztagsschule zeichnet sich durch die freiwillige Teilnahme an schulischen Aktivitäten, die zusätzlich zum normalen Unterricht angeboten werden, aus. Die Kurse und Aktivitäten werden von der Schule, außerschulischen Kooperationspartnern und der örtlichen Jugendhilfe angeboten. Dies findet alles unter dem Dach der Schule statt, was die Schule zu einem ganztägig geöffneten Ort des Lernens und Lebens macht. Angeboten werden z.B. Hausaufgabenhilfe, Fördermaßnahmen für Schüler mit besonderem Bedarf und für besonders begabte Schüler, Angebote zur musisch-kulturellen Bildung und Erziehung, Bewegungs-, Spiel- und Sportangebote, Angebote im Bereich der Umweltbildung und Projekte der Jugendhilfe, insbesondere der außerschulischen Jugendarbeit sowie der außerschulischen Bildung sowie berufsorientierende Angebote.

Im Gegensatz zu der offenen Ganztagsschule ist die Teilnahme an den Aktivitäten in der gebunden Ganztagsschule (teilweise) verpflichtend.


Das Schulsystem nördlich der Grenze

In Dänemark gibt es keine Schulpflicht, sondern lediglich eine Unterrichtspflicht. Viele erstaunt es, dass man in Dänemark keine Schulpflicht kennt, sondern nur eine 9-jährige Unterrichtspflicht. Diese Pflicht gilt ab August des Jahres, in dem das Kind das 7. Lebensjahr vollendet.

Gemäß dem gesetzlichen Auftrag soll die Schule den Kindern fachliche Qualifikationen vermitteln und sie allgemein auf die Rolle als Bürger in einer demokratischen Gesellschaft vorbereiten. Die Schule arbeitet eng mit den Eltern zusammen. Berücksichtigt werden Fähigkeiten und Wünsche des einzelnen Schülers. In der Regel werden die Schüler klassenweise unterrichtet und bleiben während des gesamten Schulverlaufes zusammen. Im Rahmen des Unterrichts gibt es eine Differenzierung hinsichtlich der Anforderungen an die einzelnen Schüler.

Der Basisschulbereich umfasst die kommunalen „Folkeskoler“ und Privatschulen, nämlich die „Freien Grundschulen“, „Nachschulen“ und Sonderschulen für Schüler mit weitgehenden Behinderungen. Der Basisschulbereich besteht aus der einjährigen Vorschulklasse, der neunjährigen Folkeskole („Volksschule“) und dem Angebot einer freiwilligen 10. Klasse.
Die Vorschulklasse ist für die Schüler freiwillig, muss aber von der Kommune angeboten werden. Praktisch alle Eltern nehmen das Angebot wahr, ihre Kinder in der Vorschulklasse starten zu lassen. Seit 1986 besteht die Möglichkeit, Teile des Unterrichts für die Vorschulklasse gemeinsam mit der 1. und 2. Klasse durchzuführen. Auch die 10. Klasse ist freiwillig. In den kommunalen Folkeskoler entscheidet sich die Hälfte der Schüler dafür, weiter die Schule zu besuchen, im Basisschulbereich generell (einschließlich der Privatschulen und der „Nachschulen“) etwa 60 % der Schüler.
Der größte Teil der Schüler besucht die kommunale Folkeskole (Grund- und Hauptschule) mit einer einjährigen Vorschulklasse, neun Jahren Grundschule und einer 10. Klasse. 
Die Folkeskole ist eine ungeteilte Einheitsschule. Man versucht, solange wie möglich die Schüler gemeinsam zu unterrichten. Der größte Teil des Unterrichts wird im Klassenverband erteilt. Darüber hinaus kann auch Gruppenunterricht stattfinden. Von der Vorschule bis zur 2. Jahrgangsstufe kann der Unterricht so organisiert werden, dass man mehrere Klassen/Jahrgangsstufen gemeinsam unterrichtet. Der Unterricht wird derart differenziert gestaltet, dass er den Bedürfnissen des einzelnen Schülers entspricht und die passenden Anforderungen stellt. 
Die Auswahl der Fächer wird durch das Parlament im geltenden Folkeskolelov (Schulgesetz) festgelegt, die Lernziele durch das Unterrichtsministerium vorgegeben. Die Abschlussprüfung ist freiwillig. Sie kann nach der 9. oder der 10. Klasse absolviert werden. Der Abschluss der 10. Klasse entspricht in etwa dem deutschen Realschulabschluss. 
Die örtliche Gemeindevertretung trägt die übergeordnete Verantwortung für ihre Folkeskoler, z.B. für die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die Lehrpläne und die Einstellung des Lehrpersonals, während der gewählte Schulbeirat der einzelnen Schulen die Grundlagen des Schulbetriebes festlegt.

Als Grundpfeiler des Ausbildungssystems, und als zentrale Institution mit wesentlicher Bedeutung auch für die örtliche Gemeinschaft genießt die Folkeskole große Aufmerksamkeit. Vor dem Hintergrund u.a. der technischen Entwicklung und der Internationalisierung von Wirtschaft, Kultur und Kommunikation führte dies in Jahre 2003 zur Verabschiedung eines umfassenden Plans für die weitere Entwicklung der dänischen Folkeskole.

Übergeordnet handelt es sich dabei um folgende Bereiche:
- Verbesserungen bei der Vorbereitung des Schulbesuches und der Einschulung der Kinder
- Stärkung des Fachwissens 
- Intensivere Evaluierungsmaßnahmen
- Bildung von Teams

Verbesserungen bei der Vorbereitung des Schulbesuches und der Einschulung der Kinder
Ausgehend von der Erkenntnis, dass Sprache und sprachliche Fertigkeiten Voraussetzungen für Lernen und Sozialisation sind, wird in den Planüberlegungen hoher Wert auf die sprachliche Stimulation von Kindern und Schülern gelegt.
Dabei wird auch die Arbeit in Tagepflegeangeboten für Kinder durch Maßnahmen des Sozialministeriums mit einbezogen, und der Einsatz gegenüber Migrantenkindern verstärkt, indem man eine Kontinuität vom Vorschulunterricht über Einschulung hin zum allgemeinen Schulbesuch anstrebt.

Es soll ein enger Zusammenhang zwischen der Arbeit in den Vorschulklassen und der 1. bis 2./ 3. Klassenstufe geschaffen werden.

Stärkung des Fachwissens
Eine wichtige Quelle für die aktuellen Initiativen zur Entwicklung der Hauptschule sind internationale Vergleiche, die nicht zum Vorteil dänischer Schüler ausgefallen sind. Vor diesem Hintergrund wurden eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, die darauf abzielen, verbesserte statistisch messbare Resultate bei einer Reihe von zentralen Fächern wie Mathematik, Lesen, naturwissenschaftlichen Fächern zu erzielen.
Ausgehend von den übergeordneten Zielen enthält der Plan eine Reihe von qualitativen Änderungen.
- Erhöhte Anzahl der Stunden in Dänisch und Mathematik 
- Beginn des Englischunterrichtes ab der 3. Klasse
- Erhöhte Anzahl Unterricht allgemein und Verbesserung des fächerübergreifenden Unterrichtes in den naturwissenschaftlichen Fächern.
- Erweiterung des Fachs Geschichte auch in der 9. Klasse 
- Ausweitung des Sportunterrichtes

Nationale Ziele und Stufenziele
Ausgangspunkt für den Entwicklungsplan ist es, allen Kindern sichere Kenntnisse und Fertigkeiten bei Abschluss der Hauptschule zu vermitteln, sowie Festlegung der fachlichen Vorgaben und Resultate aufgrund von zentral vorgegebenen Kriterien.

An der Idee der gemeinsamen Hauptschule wird durch eine Erhöhung der Anzahl von gleichartigen Unterrichtsstunden und durch eine Vereinheitlichung der Anzahl von Unterrichtsstunden festgehalten, sowie durch die Ausarbeitung von nationalen Zielvorgaben für den Unterricht.

Die gemeinsamen nationalen Zielvorgaben beinhalten, dass das Unterrichtsministerium Endziele für alle Fächer der Hauptschule, sowie „Stufenziele“ für die Beurteilung der Resultate der Schüler in den einzelnen Klassenstufen vorgibt.

Die Kommunen sind verpflichtet, diese Zielvorgaben zu verfolgen und Beschreibungen für die Unterrichtsvorbereitungen der Lehrer auszuarbeiten. Dies gilt auch für den fächerübergreifenden Unterricht und die individuelle Zurechtlegung nach Maßgabe von Entwicklungsverlauf und Bedarf des einzelnen Schülers.

Die gemeinsamen nationalen Vorgaben in Form von End- und Stufenzielen dienen, gemeinsam mit den Beschreibungen von Stufenzielen durch die Kommunen der Bereitstellung von Möglichkeiten, der Lernentwicklung der Schüler besser als zurzeit folgen zu können.

Intensivere Evaluierungsmaßnahmen
In Verlängerung der Festlegung von Zielen und Stufenzielen operiert der Entwicklungsplan für die Hauptschule auch mit verstärkten Kontrollen durch Einführung von Tests und schriftlichen Beurteilungen der Ergebnisse der Schüler.
In Zukunft werden Schüler in folgenden Fächern getestet:

Mathematik in der 3. und 6. Klasse 
Lesetest in Dänisch in der 2., 4., 6. und 8. Klasse
Englisch in der 7. Klasse
Physik / Chemie in der 8. Klasse
Biologie in der 8. Klasse
Geographie in der 8. Klasse

Die Testergebnisse dienen dazu, sogenannte „Schülerpläne“ festzulegen, die Auskünfte über die Testergebnisse und ein Nachfassen hierzu enthalten. Dazu zählt auch die Zusammenarbeit mit den Eltern über den Nutzen, den die Schüler aus dem Unterricht ziehen.

Die Testergebnisse gehen auch in ein landesweites Gesamtresultat der Tests ein. Es wird davon ausgegangen, damit ein „nationales Präsentationsprofil“ zeichnen zu können. Dieses Profil vergleicht die Resultate der Schüler mit den nationalen Zielen und Stufenzielen.

Klassen- und Teamunterricht
Ausgangspunkt für Planung und Zurechtlegung des Unterrichtes und der übrigen Aktivitäten im Zusammenhang mit der Arbeit der Schulen ist auch weiterhin die ungeteilte Klasse, die für Kontinuität im 9-jährigen Grund- und Hauptschulverlauf sorgt.

Zukünftig kann der Unterricht auch in Gruppen in den einzelnen Klassen durchgeführt werden, oder klassen- und stufenübergreifend, wenn dies den praktischen und pädagogischen Gegebenheiten entspricht. Dies gilt beispielsweise bei Stunden, in denen die Klasse geteilt wird, bei gemeinsam abgehaltenen Stunden, Wahlfächern und Arbeitsgemeinschaften, Sport oder Themenwochen.

Mit dem Entwicklungsplan eröffnen sich Möglichkeiten, klassenübergreifende Gruppen zu bilden, wenn dies „praktisch und pädagogisch“ begründet wird – beispielsweise durch die laufende Beurteilung des Nutzens des Unterrichtes durch die Schüler. 
Grundlage ist weiterhin, dass Schulunterricht nicht nach Niveaus aufgeteilt werden soll, und dass die Schüler wie bisher den überwiegenden Teil der Schulzeit gemeinsam unterrichtet werden. Daraus ergibt sich, dass die Gesamtzeit, in der in Gruppen aufgeteilt wird, geringer sein muss, als die Hälfte der Gesamtunterrichtszeit. Schüler mit Lernschwierigkeiten und anderen besonderen Problemen werden weiterhin durch die pädagogisch-psychologische Beratung zum Sonderschulunterricht verwiesen, wenn dafür Bedarf besteht. 


Privatschulen südlich der Grenze

Neben den öffentlichen Schulen gibt es in Schleswig-Holstein eine Reihe von Schulen mit privater Trägerschaft. Die Träger können z.B. kirchlich, durch Vereine, durch Stiftungen oder gewerkschaftlich organisiert sein. Daneben gibt es Internate, z.B. das Nordsee-Internat St. Peter-Ording oder das Internat Louisenlund bei Schleswig, in denen Kinder ab der Grundschule (Nordsee-Internat) oder ab der 5. Klasse (Louisenlund) untergebracht und unterrichtet werden und sämtliche staatlich anerkannten Schulabschlüsse erwerben können.

Auch die Schulabschlüsse der Privatschulen, die vom Hauptschulabschluss bis zum Abitur reichen, sind in der Regel staatlich anerkannt. Wenn Eltern ihre Kinder auf Internate oder Privatschulen schicken wollen, müssen sie Schulgebühren bezahlen. Diese können beispielsweise abhängig von dem Einkommen der Eltern oder eine feste Pauschale sein. Die Nachfrage nach einer schulischen Ausbildung in Privatschulen ist in den letzten Jahren in Schleswig-Holstein gestiegen. Die Eltern rechnen hier mit einer Ausbildung, die auf die Bedürfnisse der Kinder besser eingeht.

Waldorfschulen
Privatschulen begründen sich häufig auf besonderen Weltanschauungen oder erzieherischen Konzepten. Die verbreiteste Schule in Schleswig-Holstein mit freier Trägerschaft ist die Waldorfschule nach der von Rudolf Steiner begründeten Waldorfpädagogik. In Schleswig-Holstein gibt es 12 Waldorfschulen. An viele Waldorfschulen ist ein Waldorfkindergarten angegliedert.

In der Waldorfschule werden bis zur Oberstufe keine Noten vergeben. Ein „Sitzenbleiben“ gibt es zugunsten der sozialen Einheit nicht. Schon ab der ersten Klasse werden den Kindern Fremdsprachen beigebracht. In der Regel ist es Englisch als Pflichtfach, dazu kommt ab der ersten oder zweiten Klasse Französisch oder Russisch. In den Waldorfschulen wird auch Wert auf künstlerisch-praktischen Unterricht wie Plastizieren, Schreinern oder Steinmetzen gelegt. Der Unterricht wird durch mehrwöchige Praktika ergänzt. Zudem führt eine Klasse mehrfach Klassenspiele bzw. Theaterinszenierungen durch, bei denen alle Schülerinnen und Schüler auf und hinter der Bühne (Beleuchtung, Ton, Aufbau von Kulissen u.a.) beteiligt sind.


Privatschulen nördlich der Grenze

Die freie Schulwahl der Eltern ist durch die freien Grundschulen gewährleistet. Sie bilden eine Alternative zu den öffentlichen Schulen. Es handelt sich dabei um private, selbstständige Einrichtungen mit Klassenstufen von der Vorschule bis zur 10. Jahrgangsstufe. Diese Einrichtungen bestimmen selbst Inhalte und Zweck des Unterrichts. Sie werden mit einem allgemeinen Betriebskostenzuschuss gefördert, der 75 % der durchschnittlichen Aufwendungen für Schüler im Grund- und Hauptschulbereich entspricht. Diese Ausbildungseinrichtungen stützen sich auf das Gesetz über die freien Schulen von 1970. Sie decken verschiedenste Ansprüche an den Unterricht mit Ausgangspunkt in ideologischen, religiösen, pädagogischen, nationalen usw. Standpunkten ab. Beispielsweise wird das Schulwesen der deutschen Minderheit entsprechend diesem Gesetz betrieben.


Die pädagogischen Einrichtungen der dänischen Minderheit

Seit der Grenzziehung im Jahre 1920 hat die dänische Minderheit in Schleswig-Holstein Schulen und Kindergärten durch den Dänischen Schulverein für Südschleswig(Dansk Skoleforening for Sydslesvig) betrieben. Aufgabe des Schulvereins ist es für die Minderheit und die Friesen, mit denen man zusammenarbeitet, pädagogisch im dänischen Sinne tätig zu sein.
Kindergärten und Schulen sollen Kinder in die dänische Sprache und Kultur einführen. Ziel der Schulen ist es, das Bewusstsein der Schüler über die Verbundenheit mit dem dänischen Bevölkerungsteil in Schleswig-Holstein und dem dänischen Volk zu fördern. Gleichzeitig hat die Schule den Auftrag, die Schüler zu einem Leben und Wirken in der deutschen Gesellschaft zu befähigen. 
Der Schulverein betreibt 55 Kindergärten, die von rund 2.100 Kindern besucht werden, sowie 47 Schulen mit rund 5.500 Schülern. Aus den 47 Schulen sind zwei Schulen Gymnasien, Duborg Skolen in Flensburg und A.P. Møller Skolen in Schleswig.

In Dänemark unterhält der Schulverein zwei Landschulheime und ein Haus für Kindergartenausflüge. Darüber hinaus vermittelt man jeden Sommer Ferienaufenthalte bei Familien in Dänemark für die Schüler, die dies wünschen. Der Schulverein betreibt außerdem eine sog. „Nachschule“, "Ladelund Ungdomsskole", für 14-18-jährige. Jaruplund Højskole (Heimvolkshochschule) bietet Erwachsenen die Möglichkeit zu Erweiterung ihrer Kenntnisse.
Die Schulen der Minderheit sind staatlich anerkannt und in der Verfassung garantiert. Da man kein schleswig-holsteinisches Privatschulgesetz kennt, müssen die Schulen die allgemeinen Anforderungen des Schulgesetzes des Bundeslandes im Hinblick auf Unterrichtsinhalte, Einrichtung der Gebäude, Lehrerausbildung usw. erfüllen. Die dänischen Schulen folgen insgesamt der deutschen Schulstruktur und berücksichtigen Inhalte und Niveau der Unterrichtspläne der öffentlichen Schulen. Unterrichtssprache ist Dänisch, aber der Unterricht in den Fächern Deutsch und Dänisch erfolgt normalerweise als Muttersprachenunterricht..

Durch die in Dänemark und Deutschland anerkannten Schulabschlüsse steht den Schülern die Möglichkeiten für Ausbildungen in beiden Ländern offen.

Finanziell gesehen erhalten die Schulen die den gleichen Betrag pro Schüler wie die öffentlichen Schulen in Schleswig-Holstein, dies deckt jedoch nur rund 40% der Ausgaben für die Schulunterhaltungen. Der dänische Staat bezuschusst die dänischen Schulen mit rund 50% der Ausgaben, der Rest stammt von den Kreisen und Kommunen und anderen Beiträgen. Skoleforeningen sieht ihre Privatschulen als öffentliche Schulen für die Minderheit, dessen Schulbesuch kostenlos ist für die Eltern.


Die pädagogischen Einrichtungen der deutschen Minderheit

Nördlich der Grenze betreibt die deutsche Minderheit Tageseinrichtungen und Schulen. Die deutschsprachigen Einrichtungen haben das Ziel, Kultur und Geschichte der deutschen Minderheit zu pflegen. Dieses Angebot richtet sich in erster Linie an die Minderheit selbst, steht aber auch anderen ohne historische Verbindung mit der Minderheit offen, wenn die Ziele der Einrichtungen anerkannt werden. 
Die Minderheit möchte ihre Jugendlichen auf ein deutsches Kulturleben in dänischer Umgebung vorbereiten. Deshalb wird auch Dänisch auf muttersprachlichem Niveau unterrichtet. Auch dänische Kultur und Geschichte sind ein natürlicher Teil des Unterrichtsangebotes. Die Minderheit hebt u.a. hervor, dass Kinder in ihren Einrichtungen von klein auf mit zwei Sprachen und Kulturen aufwachsen, und dass ihnen durch die in Dänemark und Deutschland anerkannten Schulabschlüsse die Möglichkeiten für Ausbildungen in beiden Ländern offen stehen.
Die Schulorganisation der deutschen Minderheit „Deutscher Schul- und Sprachverein für Nordschleswig“ (DSSV) nimmt zentrale Aufgaben im Bezug auf Unterrichtsorganisation und Finanzierung der Schulen wahr. Die Organisation betreibt 23 Kindergärten und Kindertagesstätten mit insgesamt 600 Kindern, sowie 15 allgemein bildende Schulen und ein Gymnasium in Aabenraa. Insgesamt werden etwa 1.380 Schüler unterrichtet. 
Die Kindergärten sind private Einrichtungen, die ähnlich wie die dänischen Einrichtungen nach Übereinkunft mit den örtlichen Kommunen betrieben werden. Damit wird ein Zuschuss in Höhe von etwa 2/3 der anerkannten Ausgaben ausgelöst. Der Rest wird durch Elternbeiträge und deutsche Zuschüsse abgedeckt. Die Kindergärten, Freizeitheime, Kindertagesstätten usw. sind ein Teil des sozialpädagogischen Angebotes der Gemeinden. 
Die Schulen werden als private Schulen betrieben. Jede einzelne Schule wurde gemäß dem dänischen Gesetz über die freien Schulen genehmigt. Es handelt sich um relativ kleine Einrichtungen, die jeweils von einem örtlichen Schulverein mit eigenem Elternbeirat verwaltet werden. 70 % der Betriebskosten werden vom dänischen Staat bezahlt. Für die restlichen Kosten müssen die Schulen selbst sorgen, wobei das Land Schleswig-Holstein und die deutsche Bundesregierung Zuschüsse bereitstellt. 
Eine besondere Stellung nimmt das Gymnasium der Minderheit „Deutsches Gymnasium für Nordschleswig“ in Aabenraa ein, das nach Abschluss der 9. bzw. 10. Klasse eine dreijährige Ausbildung für Jugendliche anbietet. Oft kommen die Schüler von weit her, deshalb ist dem Gymnasium ein Internat angeschlossen.


Förderunterricht und Förderschulen südlich der Grenze

Einige Kinder und Jugendliche benötigen eine besondere pädagogische Förderung, z.B. weil sie körperliche oder geistige Behinderungen aufweisen. Diesen Kindern wird in Schleswig-Holstein Förderunterricht oder Unterricht in Förderschulen angeboten. 
Der Förderunterricht findet integrativ an allgemeinbildenden Schulen statt.

Etwa 30 Prozent aller Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf nutzen dieses Angebot. Beim Förderunterricht werden die Eltern eng mit in den Förderungsprozess ihrer Kinder einbezogen. Zur Unterstützung und Beratung des Lehrpersonals und der Eltern an den allgemeinbildenden Schulen werden „Förderschulpädagogen“ aus den Förderschulen herangezogen, die über eine entsprechende Ausbildung verfügen.

In den 135 Förderschulen Schleswig-Holsteins werden Schülerinnen und Schüler, die eine intensive sonderpädagogische Förderung benötigen, dauerhaft oder vorübergehend unterrichtet. Es sind Kinder oder Jugendliche, die körperliche, geistige, seelische oder soziale Schwächen aufweisen und deren Förderung an allgemeinbildenden Schulen nicht ermöglicht werden kann. Der Unterricht an der Förderschule orientiert sich an den Lehrplänen der allgemeinbildenden Schulen und hat als Ziel, die Schülerinnen und Schüler wieder in die allgemeinbildenden Schulen zu integrieren. Die Jugendlichen können nach Beendigung der Schulzeit die Abschlüsse der allgemeinbildenden Schulen, den Abschluss der Schule für Geistigbehinderte oder den Förderabschluss erhalten.

Als Förderschulen sind z.B. die Staatliche Schule für Sehgeschädigte, die Schule für Kranke und die Staatliche Internatsschule für Hörgeschädigte – alle mit Sitz in Schleswig - zu nennen. Daneben gibt es Schulen für Sprachbehinderte, Geistigbehinderte und Körperbehinderte in ganz Schleswig-Holstein.


Förderunterricht und Sonderschulen nördlich der Grenze

Wenn Schüler der „folkeskole“ weitergehender Förderung im Unterricht bedürfen, können die Schulleiter diese Schüler zu einer Untersuchung bei Pædagogisk Psykologisk Rådgivning (PPR / Pädagogisch-psychologische Beratung) überweisen. Auch die Eltern oder die Schüler selbst können eine Beurteilung der Bedürfnisse beantragen. PPR berät nach der Untersuchung über Fördermöglichkeiten und unterbreitet Vorschläge zur Abhilfe.

Da PPR eine beratende Funktion hat und keine Behörde ist, wird die Abteilung oft als Stabsfunktion in der Kommunalverwaltung angesiedelt, die mit dem Bereich Kinder und Jugendliche arbeitet. Die Angestellten von PPR sind typisch Schulpsychologen (Lehrer mit einer psychologischen Zusatzausbildung), klinische Psychologen und Berater innerhalb der verschiedenen Bereiche (Lesen, Sprechen, Hören usw.)

Der sonderpädagogische Einsatz wird durch folgende Bestimmungen geregelt:

• Lov om Folkeskole (Gesetz über die Grund- und Hauptschule). Die entsprechenden Bestimmungen stehen in § 3, Abs. 2, § 21, Abs. 5, § 22, Abs. 6, und 30 a. Klagemöglichkeiten sind in §51 und § 51 a beschrieben.

• Bekendtgørelse om folkeskolens specialundervisning (Erlass über Förderunterricht in der Grund- und Hauptschule) und andere sonderpädagogische Fördermaßnahmen

Während PPR also nur eine beratende Rolle wahrnimmt, trifft der Schulleiter die Entscheidung über die Maßnahme.

Wenn die Zustimmung der Eltern nicht vorliegt, können Fördermaßnahmen nur eingeleitet werden, wenn der Schulleiter den Einsatz für absolut erforderlich im Hinblick auf die Entwicklung des Schülers ansieht. Die Bestimmungen schreiben vor, dass der Wunsch der Eltern bei der näheren Planung der Fördermaßnahmen in hohem Maße berücksichtigt wird.

Fördermaßnahmen können in folgender Form gewährt werden:

• Sonderpädagogische Beratung für Eltern, Lehrer u. a., deren Einsatz wesentliche Bedeutung für die Entwicklung des Schülers hat. 
• Besondere Unterrichtsmaterialien und technische Hilfsmittel, die für den Unterricht des Schülers erforderlich sind. 
• Unterricht in den Fächern / Fachbereichen der Grund- und Hauptschule, die unter besonderer Berücksichtigung der Lernvoraussetzungen des Schülers organisiert wird. Für Schüler der Vorschule beinhaltet der sonderpädagogische Einsatz Unterricht und Training, das gemäß den besonderen Bedürfnissen zurecht gelegt wird. 
• Unterricht und Training in Funktionsweisen und Arbeitsmethoden, die darauf abzielen, den Wirkungen der psychischen, physischen, sprachlichen oder sensorischen Funktionseinschränkungen abzuhelfen, oder diese zu begrenzen. 
• Persönlicher Beistand, der dem Schüler helfen kann, praktische Barrieren im Rahmen des Schulbesuches zu überwinden. 
• Speziell zurechtgelegte Aktivitäten, die dem Schüler im Zusammenhang mit dem Förderunterricht zugute kommen können.

Der Schüler kann Förderunterricht integriert im Rahmen des normalen Unterrichtes in der „folkeskole“, oder anderweitig erhalten:

• Der Schüler bewahrt die Verbindung zur normalen Klassenstruktur und nimmt am normalen Unterricht teil, erhält aber in einigen oder allen Unterrichtsstunden Förderung. 
• Der Schüler bewahrt die Verbindung zur normalen Klassenstruktur, erhält aber besonders abgestimmten Unterricht in einem oder mehreren Fächern außerhalb des normalen Unterrichtes. 
• Die Verbindung zur normalen Klassenstruktur wird nicht aufrechterhalten, wenn der gesamte Förderunterricht in einer sonderpädagogischen Klasse erfolgt, die in der Grund- und Hauptschule, in einer Sonderschule oder in einem regionalen Zentrum angesiedelt sein kann.
• Der Schüler hat eine Verbindung zur normalen Klassenstruktur oder zu einer Förderklasse, erhält aber Unterricht in beiden Klassenformen. 
• Der Schüler wird in einer Tageseinrichtung oder einer Wohneinrichtung unterrichtet.

Wenn die Schulleitung der Ansicht ist, dass ein Schüler, der die Verbindung zu einer normalen Klassenstruktur bewahrt hat, aus dem normalen Unterricht in einem oder mehreren Fächern nicht ausreichenden Nutzen zieht, kann der Förderunterricht in dem betreffenden Fach parallel zum normalen Klassenunterricht erfolgen. Die Entscheidung darüber wird von der Schulleitung gemeinsam mit den Eltern getroffen. Die Entscheidung setzt voraus, dass den Funktionseinschränkungen nicht ausreichend durch Unterrichtsdifferenzierung, Gruppenbildung und Beratung / Anleitung der Lehrer abgeholfen werden, um dem Schüler eine erfolgreiche Teilnahme am normalen Klassenunterricht zu ermöglichen.

Die Ausgaben für Sonderschulunterricht werden von den Kommunen getragen.

Die Anzahl der Schüler, die sonderpädagogische Klassen oder Spezialschulen besuchen, beträgt landesweit etwa 3 %, und dieser Wert entspricht auch den Verhältnissen in Sønderjylland.


Lehr- und Lernmittel südlich der Grenze

Die Lehr- und Lernmittel der Schulen werden in ganz Deutschland von Schulbuchverlagen konzipiert und an die Schulen direkt vertrieben. Es gibt – anders als in Dänemark – keine Zentrale für Lehrmittel.

Die Schulen kaufen ihre erforderlichen Materialien selbst – finanziert durch den Schulträger - und verleihen diese an die Schülerinnen und Schüler. Nach wie vor herrscht in Schleswig-Holstein die Lehrmittelfreiheit, so dass die Unterrichtsmaterialien allen Schülern – bis auf ganz wenige Ausnahmen wie z.B. Romane und Erzählungen - kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Die in Schleswig-Holstein und damit auch im Grenzlandgebiet verwendeten Lehr- und Lernmittel müssen dem hiesigen Lehrplan entsprechen, denn die Anforderungen der jeweiligen Unterrichtsinhalte unterliegen der Kulturhoheit der Länder.

Die dänischen Schulen auf deutscher Seite des Grenzlandgebietes sind private Schulen. Sie können sich ihre Lehrmittel selbst aussuchen. Mit ihrem Unterrichtsstoff müssen sie sich aber an den hiesigen Lehrplan halten und bei der Abschlussprüfung die Voraussetzungen erfüllen.

Bislang erstellte das Bildungsministerium des Landes gemeinsam mit dem Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) eine Liste für die deutschen Schulen, in der die dem schleswig-holsteinischen Lehrplan entsprechenden Unterrichtsmaterialien enthalten waren und aus denen sich die Schulen ihr Sortiment selbst zusammenstellen konnten. Diese haben die Schulen dann direkt bei den Verlagen bestellt und gekauft.

Mit der Schulgesetzänderung, die zum 1. August 2007 in Kraft trat, haben die Schulen im Zuge einer größeren Eigenverantwortung jedoch weitergehende Entscheidungsmöglichkeiten hinsichtlich der von ihnen verwendeten Lehr- und Lernmittel erhalten. Sie können sich zukünftig ihre Materialien frei aussuchen und bekommen vom IQSH und Ministerium dafür einen Leitfaden mit Kriterien für die Schulbuchauswahl als Hilfestellung zur Verfügung gestellt.

Diese Kriterienliste umfasst beispielsweise inhaltliche Grundsätze wie die Entsprechung zum Lehrplan oder Lebensnähe, didaktische Grundsätze wie innere Differenzierung oder Methodenvielfalt, schulorganisatorische Grundsätze wie der fächerübergreifende Einsatz oder auch Wirtschaftlichkeitsaspekte wie z.B. die Haltbarkeit der Materialien. Mithilfe dieser Kriterien können dann die Schulen aus dem gesamten Angebot der Schulbuchverlage das für ihre Bedürfnisse am besten Passende auswählen.

Das IQSH selbst stellt zudem für die Lehrerinnen und Lehrer Aus- und Fortbildungsmaterialien für den Unterricht her, die beispielhafte Unterrichtseinheiten zeigen, Unterrichtsmethoden beschreiben und Impulse für einen guten Unterricht geben. Lernmittel selbst konzipiert das IQSH nicht.


Center for Undervisningsmidler nördlich der Grenze

Das Center for Undervisningsmidler (Zentrum für Unterrichtsmittel) sind Service- und Entwicklungszentren für die Ausbildungseinrichtungen in den einzelnen dänischen Regionen. Sie bieten den Schulen Beratung, Weiterbildungskurse, Verleih von Unterrichtsmaterialien uvm. an.

Das Center for Undervisningsmidler in Sønderjylland in Aabenraa verfügt über eine informative Sammlung von aktuellen Unterrichtsmaterialien, die zu normalen Bibliotheksbedingungen ausgeliehen werden können. Die Ausleihsammlung enthält weitere Unterrichtsmaterialien, z. B. komplette Klassensätze einschließlich Videobändern, Dias, Tonträgern und Materialien für den Kunstunterricht. Das Center for Undervisningsmidler liefert die Materialien an die Ausbildungseinrichtungen und Bibliotheken und holt diese auch wieder ab.

Das Medienzentrum des Center for Undervisningsmidler berät zu Fragen der Verwendung von Medien im Schulunterricht. Der Mediendienst zeichnet zahlreiche Ausschnitte aus Radio- und TV-Programmen – DR1, DR2, TV2 – auf, die ebenfalls zur Ausleihe bereit stehen.

Die „Spielothek“ verfügt über eine breite Auswahl an Unterrichtsmaterialien und Lernspielzeug für Kinder und Jugendliche, die wegen physischer oder psychischer Behinderungen besonderer Förderung bedürfen.

Darüber hinaus vermittelt das Center for Undervisningsmidler Kulturangebote an die Schulen wie etwa Schulkonzerte, Autorenbesuche, Theaterbesuche oder Ausstellungen.

Das Center for Undervisningsmidler vermittelt auch Kurse im Bereich Weiterbildung für Lehrer und andere Ausbilder in Sønderjylland. Weiter bietet das Center for Undervisningsmidler pädagogische Beratung und Anleitung zu Fragen der Rolle des Lehrers, der Unterrichtsmaterialien, der Lernprozesse sowie der schulischen Räumlichkeiten.

Nicht zuletzt ist das Center for Undervisningsmidler aktiv im Bereich Informationstechnologie. Sie übernimmt die Dienstleistungen für die süddänische Informations- und Kommunikations-Technologie. Im Rahmen des IT-Supports (SITS) für Schulen bietet das Center for Undervisningsmidler die Einrichtung von Internetzugängen sowie eine Fehlerbehebung in den Bereichen Hard- und Software an.


Jugendarbeit südlich der Grenze

Die Jugendarbeit in Deutschland wendet sich grundsätzlich an alle Kinder und Jugendliche unter 27 Jahren, de facto aber in erster Linie an Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 18 Jahren. Sie trägt zur Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen bei, wobei personale und soziale Kompetenzen angeregt und vermittelt werden wie

·Selbstständigkeit, Selbstbewusstsein, Selbstwertgefühl

·Aufbau eines Wertesystems

·Eigenverantwortlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und Gemeinschaftsfähigkeit

·Kommunikations-, Kooperationsfähigkeit und Konfliktfähigkeit sowie

·Selbstorganisation.

Die Aufgaben der Jugendarbeit werden von öffentlichen und freien Trägern übernommen und zu einem hohen Teil von Ehrenamtlichen erfüllt. Dies wurde in Deutschland gezielt anvisiert, da sich so eine auf Vielfalt und unterschiedlichen Überzeugungen basierende Landschaft der Jugendarbeit etablieren sollte. Freie Träger sind Vereine, Verbände, Jugendinitiativen; öffentliche Träger sind die Gemeinden, Landkreise, freie Städte, Länder und Bund. 
Eine wesentliche Rolle spielt dabei auch der Landesjugendring, der bundesweit und dann regional in den einzelnen Bundesländern bzw. Kreisen und kreisfreien Städten organisiert ist und ein vielfältiges Angebot für die Jugendlichen bietet. In Schleswig-Holstein sind dort über 500.000 Mitglieder in 24 Mitgliedsverbänden vertreten, die die Hauptanbieter von Ferien- Freizeit und Jugendbildungsmaßnahmen sind.

Es gibt verschiedene Formen und Methoden der Jugendarbeit wie

·Unterstützung junger Menschen in schwierigen Lebenslagen

·Mädchenarbeit

·Jungenarbeit

·Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen (Spielplätze, Skate-, Streetball- und Sportanlagen, Jugendräume, Jugendhäuser, Jugendclubs, Jugendtreffs, Jugendzentren oder Jugendcafés, Abenteuerspielplätze, Jugendfarm u. v. m.)

·Jugendherbergen

·Beratungsstellen und Hilfsangebote

·Selbstorganisationen in der Kinder- und Jugendarbeit sowie

·Mobile Angebote (z.B. Streetwork, Gemeindewesenarbeit, betreute Fan-Projekte in Fussballstadien, aufsuchende Sozialarbeit, Spielmobilarbeit, Mobile Jugendarbeit…)

Insbesondere gibt es auch viele Angebote speziell für die Ferien, wo der alltägliche Rahmen der Schule nicht vorhanden ist und manche Kinder und Jugendliche nicht ausgefüllt sind. Hierzu zählen in vielen Gemeinden z.B. Ferienpass-Aktionen aber auch die landesweite Ferienbörse Schleswig-Holstein (im Internet mit regionaler Suchfunktion).

In Dänemark werden diese Aufgaben der Jugendarbeit primär von einer speziellen dänischen Schulform, den so genannten „Efterskolerne/Ungdomsskoleloven)" (Nach- bzw. Jugendschulen) übernommen. Vergleichbares gibt es im deutschen und schleswig-holsteinischen Schulsystem nicht. In Ladelund unterhält der Schulverein für Südschleswig (Dansk Skoleforening for Sydslesvig) aber eine Jugendschule nach dänischem Vorbild für die Kinder im Grenzlandgebiet, die Ladelund Ungdomsskole.


Jugendarbeit nördlich der Grenze

Die Kommunen in Dänemark sind verpflichtet, Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren eine spezielle dänische Schulform, die Jugendschule, anzubieten. Deshalb gibt es in sämtlichen dänischen Kommunen Jugendschulen.

Das dänische Parlament „Folketing“ hat das Gesetz über die Jugendschulen (Ungdomsskoleloven) beschlossen. Damit ist es Aufgabe der Kommunen, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den Betrieb der Schule festzulegen. Der Vorstand der Jugendschulen legt fest, wie die Rahmen ausgefüllt werden – d.h., dass der Vorstand bestimmt, welche Fächer die Jugendschule anbieten soll. Eine Jugendschule ist ein freiwilliges, für die Jugendlichen kostenloses Angebot.

Viele Jugendschulen teilen sich die Räume mit anderen kommunalen Einrichtungen wie Hauptschulen, Musikschulen oder Kulturhäusern. Eine wachsende Zahl von Jugendschulen bietet Ganztagsunterricht an und nimmt besondere Aufgaben im Rahmen der SSP-Arbeit wahr (Kooperation zwischen Schule, Sozialbehörden und Polizei). Darüber hinaus werden verschiedene Projekte angeboten und während des normalen Unterrichtszeitraumes durchgeführt. Dabei handelt es sich um Alternativen für Jugendliche, deren Bedarf nicht durch die Hauptschule abgedeckt wird.

Die Ziele des Gesetzes über die Jugendschulen nehmen ihren Ausgangspunkt in den Bildungsbedürfnissen der Jugendlichen und den gesellschaftlichen Notwendigkeiten. Die Jugendschulen legen großen Wert auf Freiwilligkeit und die Möglichkeiten der Jugendlichen, Einfluss auf die Aktivitäten der Schule zu nehmen.

Die Angebote umfassen u.a.:
- Allgemeinen Unterricht
- Ganztagsunterricht
- Prüfungsvorbereitenden Unterricht
- Moped- / Mofaführerschein
- Ausbildungen für Jugendliche: EGU – Berufliche Grundausbildung
- Klubtätigkeit / Freizeitbeschäftigung
- Unterricht für Einwanderer, Integrationsprojekte
- Vorbeugender Einsatz (Kooperation zwischen Schule, Sozialbehörden und Polizei / SSP) 
- Natur- und Freiluftaktivitäten 
- Internationale Arbeit
- 10. Klasse


Nach- und außerschulische Einrichtungen südlich der Grenze

Eine vergleichbare Einrichtung wie die dänischen „Efterskoler/Ungdomsskole“ (Nach- bzw. Jugendschulen) gibt es im deutschen und schleswig-holsteinischen Schulsystem nicht.

In Ladelund unterhält der Schulverein für Südschleswig (Dansk Skoleforening for Sydslesvig) aber eine Jugendschule nach dänischem Vorbild für die Kinder im Grenzlandgebiet: Die Ladelund Ungdomsskole. Sie wurde 1982 als Internatsschule gegründet und hat seitdem im Durchschnitt jährlich 55 Schüler. Diese kommen hauptsächlich aus den dänischen Schulen in Südschleswig, pro Jahr besuchen aber auch ca. fünf Schüler aus Dänemark die Schule.

In Dänemark sind die Efterskole oder Ungdomsskole ein Angebot für Jugendliche, meist in der Pubertät, für ein Jahr aus dem alltäglichen normalen Schulalltag herauszukommen und in solchen Internatsschulen mit Schwerpunkt auf außerschulischen Aktivitäten intensiver betreut zu werden. In der Ladelund Ungdomsskole in Schleswig-Holstein bleiben die Schüler zwischen einem und drei Jahren. Seit dem Schuljahr 2008/2009 ist die Ladelund Ungdomsskole im Zuge der Schulreform zur Gemeinschaftsschule (7. bis 9. Klasse)umgewandelt worden, wie die meisten dänischen Grund-, Haupt- und Realschulen in Schleswig-Holstein.

Da die Ladelund Ungdomsskole eine Internatsschule ist, müssen die Eltern für die Unterbringung ihrer Kinder bezahlen. Der Betrag ist jedoch vom Einkommen abhängig.

Die meisten Schüler verlassen die Schule mit dem Hauptschulabschluss, der nach schleswig-holsteinischem Lehrplan abgenommen wird.


Efterskolerne („Nachschulen“) nördlich der Grenze

Efterskoler sind eine besondere dänische Schulform für Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren. Viele benutzen diese Schulen als Alternative zu den Jahrgangsstufen 8 bis 10.

Es handelt sich hierbei um private, selbstständige Einrichtungen. Sie gehören zu den freien Schulen, die im Sinne einer bestimmten Ideologie oder bestimmter Interessensgebiete betrieben werden können. Sie werden als Internatsschulen mit staatlichen Zuschüssen geführt. Die Eltern bezahlen für den Aufenthalt, können dazu aber staatliche Zuschüsse erlangen. Die Höhe des Zuschusses ist abhängig vom Einkommen der Eltern. 

Die Efterskoler können die Abschlussprüfungen der Hauptschulendurchführen und bieten damit das gleiche Angebot wie die 8., 9. und 10. Klasse der Hauptschulen. In Sønderjylland gibt es 21 „Efterskoler“

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