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Krieg und Nachkriegszeit

Die Zeit des Nationalsozialismus südlich der Grenze

Das politische Programm der NSDAP beruhte auf der völlig irrealen Vorstellung, dass die Geschichte der Menschheit von der „Rassenfrage“ bestimmt werde. Insbesondere die imperialistische Politik der europäischen Mächte im 19. Jahrhundert hatte die Idee von der „naturgegebenen“ Überlegenheit des „weißen Mannes“ gegenüber allen anderen Menschen weit verbreitet. Zahlreiche Autoren hatten auf dieser Grundlage mit pseudowissenschaftlichen Argumenten eine Rassenlehre formuliert. Vermengt mit einer Missdeutung der Evolutionstheorie als „Kampf ums Überleben“, in dem nur „der Stärkere“ siegen könne, wurde daraus ein wahnhaftes politisches Ziel, nämlich der „Schutz der nordischen Rasse“. Hitler und die Nationalsozialisten definierten diese Zielstellung, kombiniert mit extremem Nationalismus als oberste Pflicht des Staates.

Mit ihrer Propaganda knüpften die Nationalsozialistien gerade auch im Norden Schleswig-Holsteins geschickt an die Stimmung in der Bevölkerung an. Viele Menschen, insbesondere viele, die in der Landwirtschaft ihr Brot verdienten, sahen sich gerade zu jener Zeit einer höchst unsicher erscheinenden Zukunft gegenüber. Die auf der Entwicklung von Industrie und globalem Handel beruhende städtische Kultur nahm an gesellschaftlichem Gewicht enorm zu. In Deutschland kam zu diesem von vielen als höchst bedrohlich empfundenen Verlauf das schwere nationale Trauma durch die Niederlage im Ersten Weltkrieg hinzu. Auch hier sahen viele die Kräfte am Werk, die hinter der modernen Wirtschaft steckten und das Althergebrachte zerstören wollten. Auf diese Ängste zielte die NS-Propaganda erfolgreich, indem sie „die Juden“ als Verkörperung der bösen Mächte ausmachten. Den Ängsten setzten die Nationalsozialisten mit wohlberechneter Wirkung die Illusion von einer Zukunft in Sicherheit und nationaler Größe entgegen.

Die NSDAP war vor diesem Hintergrund insbesondere im Landesteil Schleswig bei den im Jahre 1932 anstehenden Wahlen auf große Zustimmung gestoßen. Bei der Reichstagswahl im Juli 1932 erzielt sie beispielsweise in der Stadt Flensburg 45,8 Prozent, im Landkreis Flensburg 70 Prozent, im Kreis Schleswig 70,2 Prozent, im Kreis Eiderstedt 60,2 Prozent, im Kreis Husum 68,6 Prozent und im Kreis Südtondern 64,5 Prozent. Diese Zahlen lagen weit über dem Ergebnis der NSDAP im gesamten Deutschen Reich, dort erhielten die Nazis 37,8 Prozent. Zu keiner Zeit errang die NSDAP bei freien Wahlen in ganz Deutschland eine Mehrheit. Die schwer erschütterte öffentliche Stimmung infolge der Weltwirtschaftskrise bildet den Hintergrund ihres Durchbruchs.

Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg, Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches, Adolf Hitler, den „Führer“ der NSDAP, zum Reichskanzler. Hitler bildete eine Regierung unter Einbeziehung bürgerlicher Politiker, die glaubten, ihn und seine Partei für ihr politisches Kalkül benutzen zu können. Die NSDAP aber feierte mit Aufmärschen und Fackelzügen die „Machtergreifung“.

Die NSDAP errichtete in Deutschland ein politisches System, das auf dem „Führerprinzip“ beruhte. Demokratische Meinungsbildung wurde abgeschafft, die von der Partei legitimierten Personen – in den Kreisen die Kreisleiter, in den „Gauen“ die Gauleiter, an der Spitze Hitler selbst als „der Führer“ – trafen die Entscheidungen aus eigener Machtvollkommenheit. Gauleiter in Schleswig-Holstein war Hinrich Lohse. Die Nationalsozialisten verfolgten politische Gegner und drangsalierten öffentlich die Juden. Davor verschlossen die allermeisten die Augen. Viele, die das Unrecht wahrnahmen, entzogen sich der allgegenwärtigen „Gleichschaltung“ im Sinne des NS-Staates. Nur wenige fanden den Mut zu offenem Widerstand. Sehr viele Deutsche aber nahmen das neue Regime mit Zustimmung und nach den ersten Erfolgen mit Begeisterung auf.

Die Organisation der dänischen Minderheit und der nationalen Friesen wurden in ihren Wirkungsmöglichkeiten eingeschränkt und argwöhnisch von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) beobachtet. Bestimmte Kräfte in der deutschen Minderheit in Dänemark hofften unter NS-Vorzeichen auf eine Revision der 1920 festgelegten Grenze. Es erschien der deutschen Regierung aber nicht opportun, an dieser Stelle eine internationale Verwicklung zu riskieren. Man beließ es bei der bestehenden Situation.

Am 1. September 1939 überfiel das Deutsche Reich seinen Nachbarn Polen. Das war der Beginn des Zweiten Weltkrieges. In dessen Zug besetzten deutsche Truppen vom 9. April 1940 an unter vielen anderen Staaten auch Dänemark. Im Schatten der deutschen Kriegsführung verfolgten und ermordeten überwiegend in Polen und auf dem Gebiet der damaligen Sowjetunion vor allem Einheiten der „Schutzstaffel“ (SS) der NSDAP in Konzentrationslagern Millionen von Menschen, vor allem Juden, die als „feindliche Rasse“ ausgerottet werden sollten.

Als die Niederlage sich abzeichnete, unternahm die NS-Führung verzweifelte Anstrengungen, das eigene Überleben zu verlängern. Im Herbst 1944 wurde entlang der gesamten deutschen Nordseeküste eine Panzergrabenstellung ausgehoben, der sogenannte Friesenwall. In Schwesing bei Husum und in Ladelund wurden im Herbst 1944 Außenlager des bei Hamburg gelegenen Konzentrationslagers Neuengamme errichtet, deren Insassen dabei mitarbeiten sollten. Unter unmenschlichen Bedingungen starben weit mehr als 600 von ihnen. Zuvor bereits waren auch im deutschen Teil des Grenzlandes Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter für die deutsche Kriegswirtschaft ausgebeutet worden.

Die Besetzung Deutschlands durch Truppen Frankreichs, Großbritanniens, der Sowjetunion und der USA brachte schließlich das Ende des NS-Regimes mit der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945. Nachdem Hitler Selbstmord begangen hatte, war die Regierungsgewalt für wenige Tage an den Admiral Dönitz übergegangen. Er residierte in der Marineschule Mürwik in Flensburg.


Die Besatzungszeit 1940-45 nördlich der Grenze

Die Besatzungszeit ist eine der am besten erforschten Perioden der dänischen Geschichte. Es gibt unzählige historische Untersuchungen, Erinnerungsbücher und Romane über die fünf Jahre zwischen 1940 und 1945, wo Dänemark vom nationalsozialistischen Regime besetz war.

Sønderjylland nimmt eine besondere Rolle ein in der Besatzungszeit, unter anderem, weil die ersten Kampfhandlungen hier stattfanden. Am 9. April 1940 um vier Uhr morgens rückten die ersten deutschen Truppen ein über die Grenze bei Kruså sowie einigen anderen strategisch wichtigen Orten, hierunter København, Ålborg und Nyborg, und nahmen die strategisch wichtige Brücke zwischen den Inseln Falster und Seeland ein. Zwei Stunden später kapitulierte die dänische Regierung, und die so genannte Sammlungsregierung, bestehend aus den vier großen Partien, wurde gegründet.

Obwohl Dänemark besetzt war, durfte das Land eine ausgeprägte Selbstverwaltung behalten. Bis zum 29. August 1943 war die politische Linie ausgerichtet auf Zusammenarbeit, wobei die Politiker die Balance halten mussten zwischen Konflikt und Anpassung. Auf der einen Seite musste man im Hinblick auf die Bevölkerung auf die deutschen Forderungen eingehen. Auf der anderen Seite gab es eine Grenze, die nicht überschritten werden durfte. Dies galt sowohl der Judengesetzgebung als auch dem Thema der Todesstrafe. Am 29. August 1943 brach die Zusammenarbeitspolitik jedoch zusammen, nachdem große Demonstrationen zu deutschen Forderungen führten, denen nicht entgegengekommen werden konnte. Der Volksaufstand wurde ermuntert durch die deutschen Niederlagen an den Fronten.

Im Jahr 1943 stieg die Zahl der Sabotageaktionen in Sønderjylland, die sich hier besonders auf die Eisenbahnlinien konzentrierten. Im Mai 1944 wurde der Leiter der Grenzgendarmerie, Oberst Paludan-Müller, in Gråsten getötet in Verbindung mit der so genannten Polizeimeisteraktion. Dies konnte das Wachstum der Widerstandsbewegung jedoch nicht verhindern.

Eine besondere Rolle nahm Sønderjylland außerdem ein aufgrund der deutschen Minderheit. Viele Mitglieder der Minderheit sympathisierten mit dem Hitlerregime. Viele hofften, dass eine neue Grenzrevision durchgeführt und der Landesteil in das Großdeutsche Reich integriert werden würde. Die Hoffnungen erfüllten sich jedoch nicht.

Das Frøslevlejren nahe der deutsch-dänischen Grenze war das einzige Internierungslager auf dänischem Boden. In diesem Lager wurden hauptsächlich Widerstandskämpfer interniert. Es wurde auf Vorschlag der dänischen Regierung gegründet, um damit Deportationen dänischer Staatsbürger in deutsche Konzentrationslager und Zuchthäuser zu verhindern. Damit hatte das Lager teilweise Erfolg, obwohl trotzdem 1.600 Gefangene aus Frøslev deportiert wurden, wovon 200 Menschen starben. Nach dem 5. Mai 1945 wurde das Lager umbenannt in Fårhuslejren und hauptsächlich als Internierungslager für Mitglieder der deutschen Minderheit benutzt.


Die Zusammenarbeit nach 1945

Die Besetzung Dänemarks 1940-45 führte zu großen Restriktionen im grenzüberschreitenden Verkehr. Erst im April 1946 wurde die Grenze wieder für den Postverkehr geöffnet, während Deutsche erst drei Jahre später mit Hilfe von persönlichen Erlaubnissen nach Dänemark einreisen durften.

Die 1950er boten einen Beginn für eine systematischere Zusammenarbeit und regelmäßigere Kontakte. So wurde Lustbootsegeln auf der Flensburger Förde ab 1950 wieder zugelassen. Der Visumzwang für die Einreise nach Deutschland und Dänemark fiel jedoch erst in den Jahren 1953-54 weg. Diese Lockerung hatte unter anderem große Bedeutung für viele Familien, die sich jetzt wieder leichter gegenseitig besuchen konnten.

Eine andere große Erleichterung für den Alltag in der Grenzregion waren die die Bonn-Kopenhagener Erklärungen, die 1955 die Konflikte um die Minderheiten in der Grenzregion lösten und Diskussionen um eine Verschiebung der Grenze beendeten. Auf dieser Basis wurde im selben Jahr das deutsch-dänische Kulturfest „Flensburger Tage“ ins Leben gerufen. Diese wurden zu einer jährlich wiederkehrenden Veranstaltung, ab 1960 abwechselnd auf der dänischen und auf der deutschen Seite abgehalten.

Die Errichtung einer gemeinsamen Euroregion im deutsch-dänischen Grenzland war ein langwieriger Prozess. Bereits Anfang der 1970er gab es die ersten schleswig-holsteinischen Überlegungen, eine grenzüberschreitende Euroregion zu etablieren. Der Wunsch basierte auf der Tatsache, dass es kein reguläres Forum für Austausch und Zusammenarbeit gab. Durch die Gründung der Flensburg-Fjord-Kommission wurde diesem Wunsch teilweise entgegengekommen. Die grenzüberschreitende, kommunale Kommission diente der Untersuchung und Verbesserung der Wasserqualität in der Flensburger Förde. In dem Forum, welches bis 1983 bestand, wurden auch andere Themen als die Wasserqualität erörtert.

Als Dänemark 1973 Mitglied der EG wurde, kam man dem deutschen Wunsch nach einer engeren, formalisierten Zusammenarbeit jedoch nicht entgegen. Das dänische Außenministerium reagierte abweisend auf die schleswig-holsteinischen Pläne einer Euroregion, erklärte sich jedoch bereit, zu konkreten Fragestellungen zusammenzuarbeiten. Zu diesem Zweck wurde das Deutsch-Dänische Forum 1977 gegründet, welches als grenzüberschreitendes, politisches Diskussions- und Informationsforum zwischen Sønderjyllands Amt, Kreis Schleswig-Flensburg, Kreis Nordfriesland und der Stadt Flensburg gedacht war.

Erst die 80er Jahre brachten neuen Schwung in die Pläne einer formalisierten grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Der gemeinsame Nenner wurde der Wunsch, sich zusammen um europäische Gelder für konkrete Projekte bewerben zu können. 1988 gründeten Schleswig-Holstein und Sønderjyllands Amt ein gemeinsames, grenzüberschreitendes Entwicklungsprogramm für die Bewerbung um EG-Gelder. Dies führte dazu, dass die EG 3 Mio. ECU für die Grenzregion bewilligte. Die Gelder gaben den Startschuss für die späteren Interreg-Programme.

Richtig los ging es mit der Entwicklung seit Mitte der 1990er. Während des 1. Grenzlandkongresses forderte Schleswig-Holsteins Europaminister Gerd Walter auf zur Errichtung einer Euroregion Schleswig. Amtsborgmester Kresten Philipsen reagierte eingeschränkt positiv. Obwohl im Frühjahr 1997 in Dänemark eine öffentliche Diskussion um die Vor- und Nachteile einer Euroregion entbrannte und es Protestdemonstrationen an der Grenze gab, wurde die Region Sønderjylland/Schleswig (2002 wurde der Name geändert in Region Sønderjylland-Schleswig) gegründet. Dies folgte den Beschlüssen in Sønderjyllands amtsråd, dem schleswig-holsteinischen Landtag sowie den drei deutschen Partnern, dem Kreis Nordfriesland, dem Kreis Schleswig-Flensburg und der Stadt Flensburg.

Die formalisierte Zusammenarbeit führte zu einer Reihe konkreter Absprachen auf anderen Gebieten, beispielsweise der Krankenhaus-Zusammenarbeit zwischen Sønderjyllands Amt und dem Stk. Franziskus-Krankenhaus in Flensburg seit 1998, oder der grenzüberschreitenden Studiengänge der Universität Flensburg und Syddansk Universitet in Sønderborg.

Jetzt begann die tägliche Arbeit in den politischen Gremien der deutsch-dänischen Kooperation, die Regionalversammlung und den fünf Ausschüssen (die später auf drei reduziert wurden). 2004 wurde das Infocenter Grenze als Beratungszentrum zu grenzüberschreitenden Fragen gegründet. In Verbindung mit der dänischen Verwaltungsreform 2007 wurde die Mitgliederzahl der Regionalversammlung von 42 auf 22 reduziert. Auf dänischer Seite erstatteten die Region Syddanmark und Tønder, Aabenraa, Sønderborg und Haderslev Kommune Sønderjyllands Amt als Mitglieder. Im selben Jahr unterzeichnete die Region Syddanmark ein Kooperationsabkommen mit Schleswig-Holstein. 2010 begann das „Projekt Pontifex“ im Regionskontor, in dem zwei Juristen angestellt wurden, um konkrete juristische Problemstellungen in Bezug auf Zusammenarbeit zu Grenzpendeln untersuchen. Damit wurde die grenzüberschreitende Zusammenarbeit weiter gestärkt.

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