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Wirtschaftliche Entwicklungen in der Neuzeit

Die Güter, Leibeigenschaft und freie Bauern

In den Jahrhunderten zwischen 1500 bis 1800 waren die meisten Menschen im Herzogtum Schleswig, wie auch im Königreich Dänemark und dem übrigen Europa, in der Landwirtschaft beschäftigt. Eine Besonderheit im Herzogtum Schleswig waren allerdings die erheblichen Unterschiede in den verschiedenen bäuerlichen Gemeinden. Diese verstärkten sich im Laufe dieser Periode sogar noch.
 
Um das Jahr 1500 gab es im großen und ganzen pro Familie einen Hof. Im Laufe der nächsten 300 Jahre wuchs die Bevölkerung erheblich. Bis in das 16. Jahrhundert wurden viele Höfe geteilt, aber diese Regelung wurde eingestellt, und bereits ab dem Jahre 1600 gab es bei weitem nicht mehr Höfe für alle. Die, die nunmehr keinen Hof bekommen konnten, erhielten stattdessen ein Haus und wurden Kleinbauern, im Herzogtum Schleswig normalerweise als Kätner oder Häusler bezeichnet. Sie hatten normalerweise kein eigenes oder nur sehr wenig Land, und lebten in der Hauptsache vom Handwerk oder als Arbeiter für Bauern und Gutsbesitzer. Eine ständig wachsende Gruppe waren die  Einlieger, die zur Miete bei Bauern oder anderen Häuslern wohnten. Im Laufe des 18. Jahrhunderts stellten Häusler und Einlieger den Großteil der Landbevölkerung dar.
 
Die Mehrzahl der Bauern in Herzogtum Schleswig, und besonders in Nordschleswig und dem westlichen Südschleswig, waren nach der Reformation Untertanen des Königs oder des Herzogs von Gottdorf. Im 16. Jahrhundert wurden den meisten auferlegt, Frondienste für König und Herzog auf den großen Höfen zu leisten, aber zwischen dem Ende des 16. Jahrhunderts und 1633 wurde der Frondienst für die meisten dieser Bauern aufgehoben, und sie wurden statt dessen zur Zahlung erheblicher Geldbeträge verpflichtet.
 
In den südöstlichen Landesteilen zwischen Aabenraa und Kiel waren die meisten Bauern Untertanen privater Güter oder von Gütern der Herzöge von Sønderborg, Nordborg, Glücksburg oder Augustenborg. Diese mussten im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts erleben, dass viele Höfe aufgelöst und den Herrenhöfen zugeschlagen wurden. Den verbleibenden Bauern wurde mehr und mehr Fronarbeit auferlegt.
 
Diese Entwicklung endete im Gebiet zwischen Aabenraa und Sønderborg und auf Als und Ærø erst am Ende des 17. Jahrhunderts. Die Herrenhöfe verfügten jetzt typischerweise über ein Fünftel des Landes, und die Bauern waren einfach zum Frondienst und zum Bezahlen verpflichtet. Die Verhältnisse für diese Bauern ähnelten den Bedingungen für die Bauern auf Seeland, Fyn und im östlichen Jütland. 
 
Auf den Privatgütern auf den Halbinseln Angel, Schwansen und Dänischer Wohld im südöstlichen Teil des Herzogtums setzte sich die Entwicklung zu immer größeren Herrenhöfen bis ins 18. Jahrhundert fort, bis etwa die Hälfte der landwirtschaftlichen Flächen davon umfasst war. Die verbliebenen Bauern wurden verpflichtet, Pferde und Arbeitskraft für den Einsatz auf den Herrenhöfen zur Verfügung zu stellen. Typischerweise musste jeder Hof jeden Tag zwei bis vier Arbeitskräfte zur Verfügung stellen. Im Gegenzug mussten sie keine großen Beträge an den Gutsbesitzer abführen. Die bäuerliche Bevölkerung dieser Güter war ab 1614 der Leibeigenschaft unterworfen. Es handelte sich um eine Erbuntertänigkeit, die Männer und Frauen umfasste, und sie während der gesamten Lebenszeit an das Gut band. Die Verhältnisse waren damit - verglichen mit der dänischen Erbuntertänigkeit im Königreich - strenger, und an keinem Ort im heutigen Dänemark waren die Felder der Herrenhöfe so groß und der Frondienst so umfassend.
 
Eine völlig anders geartete Form der bäuerlichen Gesellschaft gab es in den Marschgebieten im westlichen Südschleswig. Hier kannte man weder Herrenhöfe noch Frondienst. Die Höfe lagen nicht in eigentlichen Dörfern, sondern in langen Reihen oder einzeln in der Landschaft. Die Bauern waren entweder Freibauern oder Pächter, die Ländereien konnten verkauft und vererbt, bzw. die Höfe konnten geteilt oder zusammengelegt werden. Es gab keine Güter und keinen Adel. Allerdings gab es zwischen den einzelnen Bauern erhebliche soziale Unterschiede. In der Marsch, dem am dichtesten besiedelten Teil des Herzogtums gab es eine Gruppe von sehr wohlhabenden Großbauern, aber daneben auch zahlreiche Kleinbauern.

In den Städten artete sich das leben jedoch ganz anders als auf dem Lande. Hier spielt die Seefahrt eine dominierende Rolle.


Schifffahrt und Handel bis 1750

Handel und Seefahrt spielten im Schleswig des 18. Jahrhunderts eine wichtige Rolle. Besonders die Kleinstädte waren dadurch geprägt. Sie waren im Vergleich zu dem Großteil der Kleinstädte im Königreich Dänemark allgemein größer und weiter entwickelt. Die Seefahrt erstreckte sich praktisch über das gesamte Europa. Der Landesteil nahm damit einen Platz in dem internationalen Warentausch ein, der in den Kleinstädten des Königreiches so gut wie unbekannt war. Die Städte waren die Vermittler von Waren zwischen dem bäuerlichen Land und der Umwelt. Man besorgte Importwaren für die Landbevölkerung, und die Bauern verschifften landwirtschaftliche Produkte wie Getreide, Lebensmittel sowie Heimarbeiten an Käufer im In- und Ausland.

Im 18. Jahrhundert erlebten die Hafenstädte der Ostküste erhebliche Fortschritte. Abgesehen von Haderslev und Schleswig, verfügten alle über hervorragende Häfen. Importwaren aus dem gesamten Ostseeraum – Bauholz, Eisen Kalk, Teer, Flachs, Getreide usw. und versorgten ein Hinterland, dass sich bis zur holzarmen Westküste erstreckte. Flensburg verfügte über das beste Umland. Praktisch im gesamten Nord- und Südschleswig, sogar in Dithmarschen gab es Kunden und Lieferanten für Flensburg. Die Kaufleute in Flensburg waren auch Grossisten für die Kollegen in Nordschleswig. Die großen Handelshäuser lieferten Flachs, Salz, Futtermittel und Saatgut, Kolonialwaren und Wein an ein weites Umland. Oft waren die Händler aus Flensburg auf den Märkten in den Nachbarstädten im Norden in der Überzahl. Nicht ganz ohne Grund klagten alle Nachbarstädte laufend wegen der übermächtigen Konkurrenz. Fast die Hälfte des gesamten Imports aus dem Ausland nach Schleswig wurde im Jahre 1765 über Flensburg abgewickelt.

An der Westküste nahm der Seehandel der Kleinstädte ab. Die Versandung der Häfen führte in Husum, Friedrichstadt und Tönning zu Problemen, in Tønder war die direkte Verbindung zum Meer schon längst durch Deichbau unterbrochen worden, und Waren mussten stattdessen von Højer und Rudbøl aus verschifft werden. Dies verhinderte allerdings nicht einen umfassenden Handel mit Hamburg, Altona und Holland – sowohl auf dem See-, wie auch auf dem Landweg. Importierte Kolonialwaren, und insbesondere Tabak, wurden bis an die Ostküste geliefert.

Der Exporthandel mit Getreide, Butter und Käse, Ochsen und Pferden aus Schleswig und Jütland trug zu einem ausgezeichneten Einkommen in den drei großen Städten an der Westküste bei. Mehr als die Hälfte der gesamten Ausfuhr von Schleswig ins Ausland erfolgte über Tönning, Husum und Friedrichstadt, und wurde hauptsächlich nach Hamburg, Altona und Holland geliefert. Am ruhigsten war es in Friedrichstadt. Die Stadt erreichte nie die überregionale Bedeutung, die bei der Gründung geplant war, und es war schwierig, im Wettbewerb mit den Nachbarstädten ein weites Hinterland zu erschließen.

Der Warenaustausch der Städte war ohne die Schifffahrt undenkbar, und die Orte in Schleswig waren mit dem Meer vertraut. Im Jahre 1699 verfügte das relativ kleine Herzogtum über eine Tonnage, die etwa halb so groß wie die des Königreiches war. Nur dreizehn Städte im Königreich verfügten 1707-46 über eine Tonnage von 2.000 Kommerzlasten oder mehr, und von diesen lagen drei in Schleswig - Aabenraa, Flensburg und Sønderborg, acht Städte lagen in Norwegen und nur ein Ort im Königreich: Kopenhagen.

Aabenraa, Sønderborg, Flensburg und Eckernförde verfügten insgesamt über 3/4 der in Schleswig vorhandenen Tonnage. Ein andauernder Strom vom Schiffen fuhr mit Lebensmitteln von und nach Dänemark. Besonders der unstillbare Bedarf von Kopenhagen erforderte viele Ladungen Getreide, Schweinefleisch, Brennholz, Ziegelsteine oder Textilien aus heimischer Produktion. Einige größere Schiffe fuhren auf der Ostsee, nach Norwegen oder England, um Rohstoffe für den heimischen Handel zu holen. Besonders die Schiffe aus Aabenraa hatten sich seit langem auf die Dreiecksfahrten zwischen Schweden, Norwegen und England spezialisiert. Von dem Haupthafen Flensburg aus fuhren viele der heimischen Schiffe bis nach Frankreich, um Wein, Pflaumen, Zucker oder Salz für den heimischen Handel oder die weitere Lieferung in den Ostseeraum zu holen.

Die Schiffe aus Schleswig und Holstein transportierten allerdings nicht nur Waren für ihre Reeder oder die heimischen Kaufleute. Im Vergleich zum Königreich wurde die Flotte auch so groß, weil die großen Seefahrtsstädte in den Herzogtümern auch Frachtfahrten mit anderen Waren durchführten, als denen, die in den Heimatorten umgesetzt wurden. Schleswigsche Schiffe wurden bereits ab etwa 1720 oft von Reedern in Kopenhagen zur Frachtfahrt auf dem Nordatlantik und zwischen Schweden, England, Holland, Frankreich und der Hauptstadt eingesetzt. Bis in die dreißiger Jahre des 18. Jahrhunderts hielt die Furcht vor nordafrikanischen Kaperschiffen die meisten Schiffe aus Südeuropa weg. Die Lage verbesserte sich nach 1746, als ein Traktat mit den moslemischen Ländern in Nordafrika und der Türkei den dänischen Schiffen ein höheres Maß an Sicherheit bei Reisen in deren Gewässern bot.

Den gleichen vorteilhaften Effekt für die Frachtschifffahrt hatten die europäischen Kriege in den Jahren 1740-48 und danach. Die Frachtraten für Fahrten mit Waren aus dem Ostseeraum nach Frankreich – Portugal – Mittelmeer und zurück nach Nordeuropa mit Kolonialwaren oder Salz stiegen an. Dies erhöhte die Lust, das Glück auf den langen Reisen zu suchen. Es wurden mehr und mehr Schiffe in Flensburg, entlang der Flensburger Förde, in Eckernförde und auf anderen Werften gebaut. Die Schiffe wurden auf Routen von der Ostsee ins Mittelmeer eingesetzt. Befrachter waren die Kaufleute aus den Ostseestädten, Hamburg, den Niederlanden, England, Frankreich oder auch Südeuropa. 

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