OK

Diese Website verwendet Cookies. Wenn Sie fortfahren, erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.
Weitere Hinweise zum Datenschutz auf dieser Seite

Traditionen im Grenzland

Fastnachtbrauchtum südlich der Grenze

Fastnacht, Fasching, Karneval– das sind keine Erfindungen der Norddeutschen. So ganz scheint das ausgelassene Treiben auch nicht zur norddeutschen Mentalität zu passen.  Aber in den letzten Jahrzehnten ist Marne in Dithmarschen für die Begeisterten zur Hochburg norddeutschen Karnevals geworden – samt aufwändigem Rosenmontagszug und allem, was zu närrischen Tagen dazugehört.

Der Norddeutsche Karneval-Verband hat von Büsum bis Kiel, von Neumünster bis Lübeck und Schnakebek im Süden gut ein Dutzend Mitglieder. Jahr um Jahr wird gefeiert wie an Rhein und Main. Im nördlichsten Norden ist der Karneval in seiner närrischen Form noch nicht angekommen.

Aber auf der Nordseeinsel Föhr wird noch Prämien-Maskerade wie einst gefeiert. Früher war dieses Fest in vielen Orten in ganz Schleswig-Holstein verbreitet, heute kann man es nur noch in Nieblum erleben. Immer am ersten Sonnabend im Februar wird der große Saal eines Gasthauses mit originellen Ständen ausgestaltet. Viele, viele Insulaner finden sich zu kleinen Gruppen mit einem meist aktuellen inselfriesischen oder gar weltpolitischen Thema zusammen und gestalten es aus. Mit Texten, aber wortlos, wollen sie etwas sagen. Hinter Masken verborgen präsentieren sich diese Stände also stumm und bewegungslos, so verlangen es die (anstrengenden!) Regeln. Derweil gibt es auch Laufmasken, die ebenfalls verkleidet sind und irgendwie, auch schweigend, etwas darstellen. Das Publikum und eine geübte Jury bewerten die besten Stand- und Laufmasken. Erst nach Stunden stehen die Sieger fest – dann dürfen die Masken und damit die Geheimnisse der vermummten Gestalten gelüftet werden. Auf die Prämierung – daher Prämien-Maskerade – folgt ein rauschender Festabend für Akteure und Publikum.

Mit der Fastnachtszeit endet der Winter, beginnt der Frühling – eine Zeit für junge Paare, sich zu finden und zu binden. So war es einst. In längst vergangenen Zeiten kannte man daher unter den jungen Leuten auf dem Lande viele Gemeinschafts- und Liebesbräuche, die sich in alten Schilderungen dann unter dem Stichwort Fastelabend oder Fasselabend finden lassen. Da traf man sich zu fröhlichen Umzügen im Dorf und schließlich auf den Höfen in den Scheunen und feierte und schmauste miteinander. Festliches Essen gab es, vor allem aber Heißewecken, im Niederdeutschen auch Heetwich oder Hedewig genannt. Sie wurden in großer Zahl verspielt und verspeist. Das sehr fetthaltige, gut gewürzte  Gebäck mit den einst kostbaren Rosinen galt im Volksbrauch als Fruchtbarkeitsbringer! Jede Region buk übrigens nach eigenen, sehr unterschiedlichen Rezepten. Zwischen Liebespaaren gab es einst auch Botschaften und sogar Zaubereien in der Fastnachtszeit, die mithilfe der Heißewecken überbracht wurden.  Und in den Wirtshäusern wurden Heißewecken mit Karten verspielt und ausgewürfelt, das „Heetwecken-verdreihn“ war ein lustiger Treff für Jung und Alt.

Fastnacht war auch bei Kindern beliebt, die am Fastnachtsmorgen ihre Eltern aus dem Schlaf „peitschen“ durften und sich so die leckeren Heißewecken „verdienten“ – dabei ist das Peitschen (Pietschen, Stupen, Stuwen)  mit buntgeschmückten oder frisch ausgetriebenen Ruten ein Brauch, der sich durch das ganze frühe Jahr zieht bzw. zog. Auch Ostern „erbettelten“ sich Kinder manchenorts so ihre Eier.


Rummelpott nördlich der Grenze

Der Rummelpott ist eine Art Musikinstrument, dessen Namen auch als Bezeichnung für einen nördlich und südlich der Grenze bekannten Neujahrsbrauch verwendet wird.

Man nimmt an, dass der Rummelpott ursprünglich aus den Niederlanden kommt. Das Instrument besteht aus einem Keramiktopf, über den eine Membrane gespannt wird (ursprünglich eine Schweinsblase). Durch die Membrane wird eine Schilfrohr oder eine kräftige Feder gesteckt, die dann bei Bewegung einen brummenden Laut erzeugt - daher der Name Rummelpott.

Das Gehen mit dem Rummelpott am Sylvesterabend war ein charakteristischer Neujahrsbrauch im nördlichen Deutschland und im südlichen Dänemark, der seit dem 19. Jahrhundert belegt ist. Die Kinder verkleideten sich und gingen lärmend und singend von Haus zu Haus.

In der plattdeutschen Version lautete das Lied so:

Fru, maak de Dör op!
De Rummelpott will rin.
Daar kümmt én Schipp ut Holland.
Dat hett keen goden Wind.
Schipper, wullst du wieken!
Feermann, wullst du strieken!
Sett dat Seil op de Topp 
Un geevt mi wat in´n Rummelpott!

In der hochdeutschen Version:

Frau, öffne die Türe!
Der Rummelpott will rein.
Es kommt ein Schiff aus Holland
Das hat keinen guten Wind.
Kapitän, du musst weichen.
Bootsmann, du musst streichen.
Setzt das Segel ganz nach oben
und gebt mir was in den Rummelpott!

Und in der Version auf Sønderjysk:

Fru, fru lok e døe op
Æ rummelpot vil ind
De kommet skift fra Holland
De hav så goj en vind
Styrmand vil vi prise 
Kaptajnene vil vi hejse
sæt æ sejl op i æ top
å gi mæ naue i æ rummelpot.

Das Poltern und Singen wurde in der Regel mit Süßigkeiten für die Kinder belohnt. Nach und nach nahmen auch Erwachsene an dem Treiben teil. Deren Belohnung war oft ein kleiner „Schluck“.

Satire und Ehre
Verdrehungen und lärmende Effekte hatten oft den Zweck, das Schlechte und die bösen Geister zu vertreiben. Deshalb entbehrt es nicht einer gewissen Logik, dass in Sønderjylland um den Jahreswechsel herum eine satirische Zeitschrift erscheint, die sich mit lokalen Personen und Ereignissen befasst. Æ Rummelpot gibt es seit 1946.
Allerdings ist Æ Rummelpot nicht nur eine Lachnummer. Neben der unformellen Behandlung der Begebenheiten eines Jahres verleiht die Zeitschrift auch jährlich den Ehren-Rummelpott. Der Preis wird an eine Person verliehen „die dazu beigetragen hat, das Leben in Sønderjylland besser, spaßiger und interessanter zu machen“.  
Der Preis wurde seit 1950 verliehen. Zu den Preisträgern zählen Personen aus den verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen wie Wirtschaft, Kultur, Sport, Vereinsleben, Kultureinrichtungen usw.


Trachten und Volkstanz südlich der Grenze

Trachtenvereine und Volkstanzgruppen in ganz Schleswig-Holstein sind es vor allem, die heute die vielen wunderschönen regionalen Trachten  tragen. Man sieht und erlebt sie in lebendigem Tanz bei  Heimatfesten und Jubiläen, bei Trachten-Treffen und immer dort, wo sich das Land auf Messen und Ausstellungen präsentiert.

Trachten hat es in Schleswig-Holstein seit Jahrhunderten in allen Regionen gegeben. Alltags- und Sonntagstrachten, Festkleidung, auch besondere Kleidungsstücke und Accessoires, Hauben und Schmuck, die Stand und Wohlstand der Trägerinnen zeigten. Viele heutige Trachten sind nach erhaltenen Originalstücken und nach alten Vorlagen und Abbildungen wieder entstanden, manche Trachten sind nachempfunden worden. Immer aber haben Jung und Alt mit großer Begeisterung die ganz besonderen Kleidungsstücke aus wertvollen Stoffen nach alten Schnitten genäht und bestickt. In den meisten Fällen sind es Frauen-Trachten, nur selten – wie in Angeln und in Dithmarschen - gehören auch Männer in traditioneller Kleidung dazu. Tanzkreise, die vereinzelt schon in den 20er Jahren gegründet wurden, haben die schönen alten Tänze einstudiert und treffen sich auch weiterhin, seit den 80er Jahren wieder viel Freude und Nachfrage in den Tanzkreisen herrscht.

Rund 90 Gruppen gehören landesweit zum "Landestrachten- und Volkstanzverband Schleswig-Holstein im SHHB ", also im "Schleswig-Holsteinischen Heimatbund", der der Traditionspflege verpflichtet ist. Er hat die Geschäftsführung übernommen. Der LTV-SH nimmt auch überregional an Trachtenfesten und –treffen teil. Er hat ein sehr lebendiges und für alle Alter spannendes Gesamtprogramm.

Etwas Besonderes ist die Tracht der Friesinnen auf Föhr und Amrum. In ihrer heutigen Form ist sie der einstigen Festtagstracht ähnlich – sie ist aber auch als Alltags- und Sonntagstracht durchgängig bis in die Gegenwart von den Friesinnen getragen worden. Zur Konfirmation bekommen die jungen Friesinnen ihre eigene, wertvolle Tracht, so ist es Tradition,  auch den Schmuck. Viele Insel-Bräute heiraten auch in der wunderschön anmutigen dunklen Tracht mit den großen weißen Schürzen und dem schönen Kopfputz und dem so kostbaren silbernen Brustschmuck. Inzwischen sind Kinder-Tanzgruppen auf den Inseln gegründet worden, sodass das Trachtentragen und das Tanzen noch früher anfangen.

Die Friesinnen auf Föhr und auf Helgoland tragen Trachten in ganz anderem Stil. Sie wurden erst in den letzten Jahrzehnten wieder nach originalen Reststücken und nach überlieferten Abbildungen nachgenäht.


Trachten und Volkstanz nördlich der Grenze

Volkstrachten und Volkstanz sind eng miteinander verknüpfte Interessen, die sich an eine Entwicklung anlehnen, die bis auf die Geschichtsauffassung und die Vorstellungen von nationaler Kultur im 19. Jahrhundert zurückgeht. Die aufwendig verarbeiteten Kleidungs- und Schmuckstücke tragen bei feierlichen Gelegenheiten populären Festen zur Inszenierung bei, und verweisen gleichzeitig auf bestimmte Aspekte des modernen Verständnisses von Geschichte, Nation und Kultur.

Zusammensein und Handarbeit 
Auch in Sønderjylland verfügt der Volkstanz über eine reichhaltige Tradition. Die Ausübung erfolgt im Rahmen von Vereinen, in denen man übt, sowie Wettbewerbe und Aufführungen durchführt. Volkstrachten sind dabei Teil der festlichen Kostüme, aber Volkstrachten sind auch Gegenstand von Spezialinteressen, bei denen Handwerk und Geschichte der Kleidungsstücke studiert werden. 
Der Trachtenausschuss vom Landsforeningen Danske Folkedansere / Landesverband Dänischer Volkstänzer führt eine Reihe von Veranstaltungen durch, die sich mit Geschichte und Herstellung der Trachten befassen. Die kulturhistorischen Museen, die als Teil des nationalen dänischen Museumswesens Zugang zu Spezialwissen und authentischen Trachten haben, nehmen oft an diesen Veranstaltungen teil. Muster, Stoffe oder einzelne Bestandteile der Trachten können erworben werden, aber die intensive Beschäftigung mit Handwerk und Geschichte eröffnet auch die Möglichkeit, selbst Trachten herzustellen.

Modernität und Tradition
Das Interesse für Volkstrachten ist in Dänemark eng mit dem Teil der Geschichtsauffassung des 19. Jahrhunderts verbunden, die bestrebt war, Geschichte und Kultur einer Nation mit dem Volk und seiner natürlichen Grundlage zu verbinden. In seiner radikalsten Form postulierte diese Geschichtsauffassung „den edlen Wilden”; in der abgeschwächten Form standen dabei die einfache Bevölkerung und die Landbevölkerung im Vordergrund. 
Beim Studium der Folklore fand man nicht nur eine breite Tradition des Erzählens, von Mythen und Märchen, Liedern und Gesängen, die in ihrer starken Traditionsgebundenheit als Gegensatz zu den eher flüchtigen und individualistischen Aspekten des modernen Lebens standen, sondern man fand auch die Traditionen der breiten Bevölkerung für Vergnügungen und festliches Beisammensein.

Die ersten Vereine, die sich für traditionelle Kleidung und Tanz interessierten, entstanden um 1900 in Kopenhagen, das sich zu dieser Zeit zu einer industriellen Großstadt entwickelte.
Im Zusammenhang mit der nationalen Erweckung gelangten Volkstanz und Volkstrachten durch die Heimvolkshochschulbewegung.

Bier, Dirndl und Blasmusik 
Als Kuriosum und Beispiel für einen möglichen kulturellen Einfluss sei hier noch angeführt, dass ein Bereich der dänischen Unterhaltungsindustrie sich durch süddeutsche Folklore hat inspirieren lassen. In den letzten Jahren sind sogenannte „Bierfeste“ populär geworden, bei denen Kellnerinnen im Dirndl Bier servieren. In Sønderjylland sind die Bierfeste seit etwa zehn Jahren eine beliebte Veranstaltung in Rahmen des jährlichen Ringreiterfestes in Aabenraa.


Die regionale Küche südlich der Grenze

Die traditionelle Küche Schleswigs und Holsteins gilt als eigenwillig, als deftig und kräftig. Das liegt zum einen an den Zutaten, zum anderen aber auch an der Landschaft und ihren Menschen. Im Küstenland, wo sehr lange nur wenig wuchs, wo die Menschen bei hartem Klima unter schweren Bedingungen lebten und arbeiteten, da war nur wenig Sinn für kulinarische Exkurse. Wer auf dem Land oder an See und Seen viel draußen arbeitete, bei Wind und Wetter und allen Widrigkeiten, der musste sich gut ernähren, der musste ganz einfach satt werden. Nur in den Städten mit frühen Handelsbeziehungen und auf den Schlössern und Gütern kannte man frühzeitig hohe Küchenkunst.

So ist der Norden traditionell ein Land der deftig-kräftigen Eintöpfe, der vielen einfachen Getreidespeisen (Grützen, Aufläufe und Klöße aller Art und aller Größen), der vielen Fisch- und Fleischgerichte und großen Braten an Fest- und Feiertagen  – so man es sich leisten konnte -, und der Zutaten aus der Räucherkammer, dem Suurpott und dem Pökelfass. Eigenwillige Kombinationen sind da entstanden – wie das spätsommerliche allbeliebte „Birnen, Bohnen und Speck“ und das winterliche Rübenmus. Vieles schmeckt „typisch“ – eben söötsuur – wie das würzige Sauerfleisch oder die süßsaure Gänsekeule, oder auch broken sööt, wie der „richtige“ Grünkohl im Winter mit Schweinebacke, Kohlwurst und den süßen, gebratenen Kartoffeln, oder die gefüllte Schweinerippe, in der sich immer auch Backpflaumen und Rosinen verstecken. Wie überhaupt die gedörrten Früchte bei so manchem Gericht für die Süße sorgen. Zu großen Mehlspeisen, zu gebratenem Fisch isst man hier Speck- und Fruchtsoßen und Kompott, auch von Trockenfrüchten.  Auch in die festliche Weinsuppe gibt man Korinthen und Sultaninen und den Hühnersuppen-Eintopf genießt man gern mit einem Reis mit Rosinen. 

Ganz frisch mag man es zur frühen Sommerszeit, wenn aus allem jungen Gemüse und kraftvollen Kräutern die Frische Suppe wird, auf Knochen oder gutem Fleisch gekocht, reich an allerlei Klößen, weithin veredelt als Hochzeitssuppe und köstlich ergänzt und verwandelt in eine Aalsuppe. In eine Alles-Suppe, ein Allerlei also, in der „alln’s bin“ ist, auch die „Alles-Kräuter“ und schließlich noch die jungen Aale. Und auch das „Allehande-Gewürz“ der Grenzregion -  wie überhaupt so manche Zutat und manches Gericht von hüben nach drüben wanderten und zu regionalen Spezialitäten wurden.  Schnüsch, die Spezialität der Angeliter, ist das beste Beispiel, im Dänischen wohlbekannt als snysk und ähnlich zubereitet. Und auch die kleinen Teigbällchen aus den 7- oder 9-Augenpfannen – die goldbraunen, fettgebackenen aebleskiver und die Förtchen – sind wahre Verwandte. Sie haben ihren gemeinsamen Ursprung in den süddeutschen „Nonnenfürzchen“.

Man aß, was man hatte, und davon – wenigstens in Schlachtzeiten - alles. Aus allem was an einem  Tier dran war, aus allem, was Himmel und Erde hergaben, was auf dem Feld und im Garten und in den Hecken wuchs, bereitete man Essbares zu. Wie einst grasen nun wieder im Norden die urwüchsigen Rinder auf den Weiden, wachsen würzige, viel-rippige Schweine heran, allerbestes Geflügel wird hier gezogen,  Schaf und Lamm bevölkern in Scharen die Salzwiesen und die Deiche und viel Wild aus den Wäldern landet in Topf und Teller. Aus allem, was in Süß- und Salzwasser zuhause ist, weiß man Köstliches zuzubereiten. Man puhlt Porren (die Krabben) und knackt  royale Sylter Austern und Berge von Muscheln, man brät den Butt und andere Plattfische und gönnt sich Dorsch oder Kabeljau in traditioneller Senfsoße.  Achteran, hinterher, gibt es Rote Grützen und Schaumcremes und verschleierte Bauernmädchen – und keiner mag diesseits und jenseits der Grenze darüber streiten, wer dieses alles einst erfunden  hat und wer es „richtig“ und allerbest zubereitet.

Längst ist das einst so karge Küchenland zum Reich des feinen Geschmacks geworden. Was einst nur in Schloss- und Gutsküchen erdacht und zubereitet wurde, das kann und mag heute jedermann. Auf gut sortierten Märkten und in Hofläden und in vielen Spezialgeschäften ist alles nur Erdenkliche zu haben. Behagliche Landgasthöfe und große Gourmettempel verwöhnen mit genussvollen Programmen und vielen regionalen Spezialitäten.  Das „Schleswig-Holstein Gourmet-Festival“(www.gourmetfestival.de/) und die „Nordischen Tafelfreuden“, die regionalen saisonalen Feinschmeckertage und –wochen und allerlei Kulinarisches sind ein bedeutendes Stück Lebenskultur im Norden des Landes.

Längst weiß auch jeder Koch oder jede Köchin am Herd zuhause, jung oder alt, dank einer umfangreichen regionalen Kochbuchliteratur, wie man die traditionellen Gerichte  „wie immer schon“ oder „wie bei bei Großmutter“  kocht, oder wie man sie modern (und wohl auch ein bisschen gesünder…) zubereitet und serviert.


Die regionale Küche nördlich der Grenze

Der Landesteil kennt spezifische, regionale Gerichte. Mehrere Jahr hun derte lang war Schleswig ein Ganzes im Hinblick auf die Ernährung. Aber es gibt re gionale Unterschiede, wobei sich der südliche Teil des westlichen Schleswigs und der östliche Teil und Als abheben. Allgemein wurde in Sønder jylland an den Traditionen der Gerichte festgehalten. 
Die traditionellen Essenformen in Sønderjylland lehnen sich eng an Holstein und die friesischen Gebiete an. Durch diesen Landesteil sind viele Gerichte aus Deutschland gekommen, die später als rein dänisch angesehen wurden.

Räucherfleisch hat immer eine wichtige Bedeutung gehabt. Außerdem können dazu geräucherter Landschinken, verschiedene Sorten Mettwurst, Kochwürste und Leberwurst gezählt werden. Früher waren Suppen mit Räucherfleisch üb lich, zum Beispiel Grünkohlsuppe, Weißkohlsuppe oder Erbsensuppe. Ein an de res Beispiel ist „Snysk“ von der Insel Als, eine Gemüsesuppe aus Milch, die mit Räucherfleisch gegessen wird. Bei hohen Feierlichkeiten, Hochzeiten oder Be stattungen, wurde Weinsuppe mit Speck serviert. „Skrædderduelse” hin ge gen ist ein billiges Gericht, das im ganzen Landesteil bekannt war.
Die traditionelle Küche in Sønderjylland kennt auch noch eine andere Ge­schmacks richtung, nämlich das Saure bzw. Süß-saure. Unter den Gerichten mit Essig können noch ”Saure Rippchen”, Sauerbraten und Aal in Sauer ge nannt werden, während die Sauersuppe mit der Bezeichnung „Suramsuppe“ zu den süß-sauren Gerichten zählt.

Zu den traditionellen Gerichten gehört auch Rindfleischsuppe mit Rosinenreis, Brot- oder Reismehlklösschen, und Teigklösschen. Fischgerichte waren in Søn der jylland nicht so verbreitet, aber es gab doch in einigen Orten Spezialitäten, wie z.B. „Dorschplatte“ aus Aabenraa oder „Aaltopf“ aus Højer. Von der Insel Als stammt die sogenannte „Ringreiterwurst“, eine feiner Ausgabe der deutsch-österreichi schen Bratwurst, die inzwischen im gesamten Landesteil bekannt ist. Sie hat ihren Ursprung in den sommerlichen Ringreiterfesten, wird aber jetzt während des gesamten Jahres im ganzen Landesteil angeboten. Als Zubehör zu allen Fleischgerichten kann in erster Linie ”gammeldags hvidkål“ (sehr fein gehackter Weißkohl mit Sahne) genannt werden. 
Zu den süßen Nachspeisen gehören u.a. „Æbleskiver“ (Krapfen) mit einge­ba ckenen Dörrpflaumen, Apfelpfannkuchen, Quarktorte und Christiansfelder Ho nigkuchen. „Rompot“ – nach dem deutschen „Rumtopf” – besteht aus Gar ten früchten, die mit Rum und Zucker übergossen werden.  

Etwas ganz Besonderes sind Soleier. Dabei handelt es sich um sehr hart ge kochte Eier, die außerhalb der Mahlzeiten zu einen Glas Bier genommen wer den. Sie werden mit Essig, Öl, Senf und anderen starken Gewürzen gegessen. Der Name leitet sich ab vom deutschen „Solei“ – Ei in Salzlage.


Traditionelle Getränke südlich der Grenze

Angler Muck und Grog und Pharisäer, Teepunsch und Tote Tante– im Norden stößt man auf eigenwillige Getränke und häufig stellt der Neuling fest, dass da der Geist in die Tasse geriet. Im kühlen Norden liebt man Heißgetränke mit einem guten Schuss Alkohol. Das wärmt den Körper und macht allezeit fröhlich.

Zu den Schlaglichtern der Geschichte gehören aber auch überregional bedeutende Bierbrauereien, der „kühle Klare aus dem Norden“, insbesondere der „Bommerlunder“ und Rum aus der Rumstadt Flensburg.

Aus der Geschichte berichten auch die kunstvollen Trinkhörner aus alten nordischen Zeiten, Vexier-, Willkomm- und andere Trinkgefäße der heimischen Keramikmanufakturen, viel Zinn und Silber und kostbare Trinkgläser in den Museumsvitrinen, die prachtvollen Bowlengefäße, Sagen auch, wie die vom Untergang Rungholts, chronikalische Berichte von großen „Sauffereien und Gelagen“, von Sitten und Bräuchen rund ums Jahr und rund ums Leben. Nicht umsonst sagt man „Eten un drinken hölt Lief un Seel tohopen“ (Essen und Trinken erhält Leib und Seele).

Bier 
Gebraut wird im Norden seit Urzeiten. Das Bierbrauen gehörte früh zu den Alltagsaufgaben der Hausfrau. Das leichte hausgebraute Bier wurde, des schlechten Trinkwassers wegen, als Alltagsgetränk und auch zum Kochen gebraucht. Früh entstanden in allen Städten und größeren Orten Bierbrauereien, die sich sämtlich spezialisierten und nach früherem Recht die „Braugerechtsame“ für bestimmte Sorten erhielten. Mit der Zeit mussten die meisten Brauereien aufgeben.

Weithin bekannt und durchaus ein Synonym für den Norden ist heute das ‚Flens’ der „Flensburger Privatbrauerei Petersen“. Das Ploppen beim Öffnen der Bügelflaschen ist ein Markenzeichen. Viele verschiedene, auch sehr spezielle Biersorten werden als ‚Flensburger Bier’ produziert, wie beispielsweise der ‚Bölkstoff’, das ‚Popp-Bier’ und das ‚Wacken Skoal’. Naturbelassene, frische Biere sind in Flensburg eine Spezialität in „Hansens Brauerei“, einem Brauhaus direkt am Hafen. Die „Brauerei Schleswig“ braut die ‚Asgaards!, naturbelassene Biere, die zu der ‚tausendjährigen Wikingerstadt Schleswig’ passen.

Rum
Flensburgs Ruhm als Rumstadt geht zurück auf die Handelsfahrten der Westindienflotte, die im 18. Jahrhundert ihren Sitz im damals dänischen Flensburg hatte. In den Zuckerraffinerien der Fördestadt wurde das Zuckerrohr von den Jungferninseln zu Zucker verarbeitet. Rum war ein Nebenprodukt, das in Flensburger Rumhandelshäusern mit Alkohol und Trinkwasser verschnitten und auf Trinkstärke gebracht wurde. Ein großer Markterfolg. Noch heute gibt es rund ein Dutzend Produktionsstätten und viele verschiedene Rumsorten in der Grenzstadt Flensburg.

Schnaps und Spirituosen
Als „kühler Klarer aus dem Norden“ machte ein Ministerpräsident des Landes Geschichte – „kühle Klare“ gehören aber vor allem zur Trink-Geschichte des Nordens. Gern trinkt man „Lütt un Lütt“, also ein Bier mit einem klaren Schnaps (Korn oder Aquavit) und schafft so ein Gegengewicht zu kräftig-deftigem Essen. Klare Schnäpse haben in norddeutschen Brennereien Tradition. Eine eigene Geschichte hat der‚Bommerlunder’, ein Kümmelbranntwein, dessen Rezept aus einem Krug im dänischen Bommerlund im Kirchspiel Bau stammt und jahrzehntelang die Spezialität der Flensburger Firma ‚Hermann G. Dethleffsen’ war. Seit einigen Jahren ist die Produktion verlagert worden. Der Bommerlunder ist auch in das Liedgut der Popkultur eingegangen. Eine weitere, goldgelbe Spezialität des Nordens  ist der „geele Köm“, ein Kümmelschnaps, der in Eckernförde produziert wird und in Nordfriesland dem ‚Teepunsch’ den besonderen Geschmack verleiht.

Heissgetränke
Gern gibt man im Norden einen Schuss Alkohol in heiße Getränke. Ein Teepunsch, besonders gern auf den nordfriesischen Inseln und Halligen getrunken, besteht aus einer Tasse Tee mit Zucker und einem Schuß ‚geelen Köm’. Gießt man in den Kaffee einen Schuß klaren Korn, so hat man einen Kaffeepunsch. Eine berauschende Kaffee-Spezialität, entstanden auf der Nordseeinsel Nordstrand, ist der Pharisäer, ein starker, gesüßter Kaffee, der unter seiner dicken Sahnehaube einen kräftigen Schluck Rum verbirgt. Wie der Eiergrog, der aus einem schaumig geschlagenen Ei samt Grog und heißem Wasser besteht.
Aus Rum und heißem Wasser und Zucker wird Grog – das Mischungsverhältnis ist zwar für die Gastronomie gesetzlich vorgeschrieben, ansonsten sind aber die Wahl der Rumsorte und der Anteil des Rums persönliche Geschmacksache. So ist es auch beim Angler Muck, der offiziell zur Hälfte aus heißem Wasser und Rum besteht, gewürzt mit wenig Zucker und Zitronensaft, serviert aus dem speziellen Angler Muck-Pott aus Porzellan. Das Nationalgetränk der Angeliter gibt es auch als Kalten Muck – dann werden Limonade und Korn oder Rum und Zitronenbrause gemischt. Süffige Mischungen, die ihre Wirkung nicht verfehlen.
 
Das ist bei den Föhrer Bowlen nicht anders. Auch sie werden 1:1 aus Limonaden oder Brausen und Alkohol (Rum, Korn, Cognac) gemischt. Eine Variante ist die Tee-Bowle, die Limonade durch schwarzen Tee ersetzt. Ohnehin sind viele Varianten erlaubt. Auch die Schokolade oder den Kakao trinkt man gerne mit einem Schuss –  das macht eine Tote Tante aus, gekrönt mit einer hohen Sahnehaube. Auch die Reihe der Glühweine – wie der zunehmend beliebte skandinavische Glögg – gehört zu den Heißgetränken. Wo man mit Wein handelte, erfand man – nach dem Vorbild eines Punsches, der aus fünf Teilen besteht – immer neue wohlschmeckende Getränke. 

Bischof
Bei Trinkgesellschaften und Bischofsrunden, auch an Festtagen in großen Familien (nachzulesen in Thomas Manns „Buddenbrooks“)  war es vor langer Zeit üblich, Bischofsbowlen anzusetzen – ein mit Pomeranzen und Orangen gewürztes Rotweingetränk, das aus den speziellen, aufwendig hergestellten Bowlengefäßen, die heute noch in Museen und Sammlungen zu bewundern sind, serviert wurde. Heiß oder kalt.

Obstbrände und Aufgesetzte
Viel Obst reift seit alten Zeiten an Strauch und Baum im Norden. Geschickte Hausfrauen haben daraus immer schon Aufgesetzte hergestellt – Obstsorten, die zusammen mit Gewürzen in klaren Spirituosen eine Weile stehen und Duft und Geschmack abgeben. Viele Hausspezialitäten, Liköre und Schnäpse, sind daraus entstanden. Brennereien haben aus den heimischen Obstsorten hervorragende Brände bzw. Obstler destilliert. In jüngster Zeit gut und gerne aus wieder entdeckten obstigen Wildsorten. 

Wasser und Limonaden
„Froschgesöff!“ schimpften unsere Vorfahren, wenn man ihnen Wasser zum Trinken gab. Säfte oder leichtes Bier sollten es zum Durstlöschen gern sein. Dabei hatte der Norden schon vor mehr als hundert Jahren eigene Quellen, die auch für gesundes Mineralwasser sorgten. Nicht nur für Heilzwecke. 
Aktuell zapfen gut ein Dutzend norddeutsche Firmen das sprudelnde Nass aus der heimischen Tiefe und verkaufen es als Mineralwasser allerhöchster Güte. Im Norden befindet sich mit „Sylt-Quelle“ in Rantum auf Sylt eine besonders moderne und auch ökologische Produktionsstätte mit einem anerkannt guten insel-eigenen Mineralwasser. Aus eigener Gletscherquelle schöpfen die Flensburger und verkaufen auch dieses absolut alkoholreiche‚flens’ in der Bügelverschlussflasche. Die „Husumer Mineralbrunnen“ liefern aus dem Wasserschutzgebiet in der nordfriesischen Marschen- und Auenlandschaft, ihre Produktpalette ist groß und reicht bis zu ‚Bioaqa’ und ‚high speed’ Powergetränken. Die „Treenetaler“ schließlich liefern seit vier Jahrzehnten ihr Mineralwasser und andere Getränke frei Haus.


Traditionelle Getränke und Kaffeetisch nördlich der Grenze

Schnaps, Punsch und Grog 
Die alltäglichen Getränke in Sønderjylland weisen keine ausgeprägte land­schaft liche Prägung auf, auch wenn heute weiterhin viel Bier der lokalen Brau e reien wie Fuglsang aus Haderslev und Flensburger Brauerei getrunken wird. Hier soll in erster Linie auf die besonderen alkoholischen Getränke ein ge gangen werden, die von der örtlichen Bevölkerung traditionell, und ins be son dere bei Zusammenkünften und festlichen Gelegenheiten genossen wurden.
 
Hervorzuheben sind die lokalen Schnapsarten aus Sønderjylland. Der ur­sprünglich aus dem Heerwegskrug bei Gejlå stammende Bommerlunder ist weit hin bekannt. Die Herstellung dieses Schnaps wurde später von einer Flens burger Firma übernommen.
Ein weiterer lokaler Typ Brandwein ist der friesische Schnaps Köm. Sowohl Fest landsfriesen wie auch Inselfriesen haben sich als Ausdruck der kulturellen Ei genart ihre traditionellen lokalen Schnapstypen erhalten. Aus Husum kommt der bekannte Tine-Schnaps.
Ein weiterer Typ alkoholischer Getränke ist Rum. Flensburg als größte Stadt der Region hatte das Handelsmonopol für den Handel mit den damals däni schen Westindischen Inseln. Von dort aus holte man Rohrzucker, und als Bei produkt der Raffinierung entstand Rum. Daneben wurde auch reiner Rum im portiert, insbesondere aus Jamaika. Auch lange nach Aufhebung des Monopols war Flensburg das nordeuropäische Zentrum für die Rumherstellung.

Diese Arten von Spirituosen wurden alle für besondere Mischgetränke genutzt. Im friesischen Raum hatten engen Handelsbeziehungen zu Eng­land den Tee zu Lasten des Kaffee verdrängt, und damit auch den Tee­punsch po pulär ge macht. Im westliche Teil von Schleswig wurde viel Tee­punsch ge nos sen, wäh rend im östlichen Teil Kaffeepunsch bei normalen nach barschaft lichen Zusam menkünften und auch bei großen Festen getrunken wur de. Das dritte, klassi sche warme Mischgetränk ist Grog, hergestellt aus Rum, Zucker und heißem Wasser. Das Getränk verbreitete sich von Flensburg aus, und stand in dem Ruf, etwas „feiner“ zu sein, da man hierfür den Rum kaufen muss te, und keinen selbst gebrannten Alkohol verwenden konnte.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es eine aktive Abstinenzlerbewegung in Schleswig. Auf einer der nordfriesischen Inseln konnte ein eifriger Pfarrer er reichen, dass der traditionelle Kaffeepunsch bei festlichen Gelegenheiten durch Kaffee mit Zucker und Sahnehäubchen ersetzt wurde. Der Pfarrer war stolz über seinen geleisteten Einsatz im Kampf gegen den Alkoholismus. Als er im Jahre 1872 an einer Feier anlässlich einer Taufe teilnahm, trank er verse hent lich aus der Tasse seines Tischnachbarn. Zu seiner Entrüstung entdeckte er, dass das Sahne­häub chen den Duft des gewohnten Rums überdeckte. ”Oh Ihr Pharisäer” rief der Pfarrer in seiner Überraschung, und verlieh damit dem Pharisäer, einer nordfriesischen Ausgabe von Irish Coffee, den Namen.

Ein Pharisäer besteht aus einer halbgefüllten Tasse mit starkem, heißen Kaf fee und ein bis zwei Stücken Würfelzucker. Nach Belieben wird Rum zuge schenkt, und anschließend ein Löffel voll Schlagsahne darüber gelegt. In Nord friesland werden auch Varianten serviert, bei denen statt Kaffee Kakao oder Tee ver wendet wird.

Der Pharisäer wird als das Nationalgetränk der Friesen angesehen, es gibt aber noch eine weitere friesische Spezialität – das Fastnachtsgetränk Flipps, das früher im Bereich Eiderstedt sehr verbreitet war. Es wird aus warmen Bier mit Eiern und Rum hergestellt.  

Die Kaffeetafel in Sønderjylland
Die ursprüngliche Kaffeetafel in Sønderjylland aus de 19. Jahrhundert war eine üppige Kaffee- und Kuchentafel, die mindestens sieben Arten von „wei chen“ Kuchen, also Milchbrötchen, Königskuchen, Torten usw. umfasste, und sieben Arten von „harten“ Kuchen, d.h. Plätzchen und Kleingebäck. Die Torten spielten hierbei die Hauptrolle.

Die Bezeichnung „Kaffeetafel aus Sønderjylland“ entstand im Zusammen­hang mit den nationalen Auseinandersetzungen in Sønderjylland in den 1870-er Jahren, und genoss ab den 1890-er Jahren erhebliche Popularität. Im Zuge der nationalen Auseinandersetzungen um das Jahr 1900 errichtet die dänische Be wegung fünfzig Versammlungshäuser im gesamten Nordschleswig. Diese Häuser er hielten von den deutschen Behörden keine Genehmigung zum Aus schank von Alkohol, und die Männer trafen sich statt dessen zu ihren natio na len Ver sammlungen bei Kaffee und Torten, die auch schon bei häuslichen Tref fen be liebt waren. Für die Zusammenkünfte lieferten Frauen aus vielen Haus halten jeweils einen Beitrag. Sie überboten sich im Anbieten von Kringeln, Napf kuchen, Blech­kuchen, Torten wie Brottorte, Schichttorte usw., sowie zahl reichen unter­schiedlichen Formen von Kleingebäck, wie z.B. „Goderåd“ („guter Rat“ – ein dünnes, festes Plätzchen), „Fedtkager“ (Fettplätzchen), „Ingenting“ („Nichts“ – etwa wie Anis plätzchen), „Kys og Klap“ („Küsschen und Kläppchen“ – etwa wie Baiser plätzchen) und vielen andere Sorten. Ein solches Aufgebot an Lec kereien ergab bei Außen stehenden den Eindruck von ungeheurer Üppig keit. 

Die Kaffeetafel in Sønderjylland kannte man in erster Linie in den ländlichen Ge bie ten bei den wohlhabenden, selbstversorgenden Großbauernfamilien, seltener bei Kleinbauernfamilien. Die Tradition einer guten und reichhaltig ge deckten Kaffeetafel wurde allerdings in deutsch- und dänisch gesinnten Haus halten gepflegt. Zu den historischen Voraus­setzungen der Kaffeetafel ge hörte der Einzug des Kaffees in allen gesell­schaft lichen Schichten, sowie die steigende Nutzung von modernen, eisernen Herden, die das Backen von Ku chen vereinfachten.

Zu den Gründen dafür, dass die Kaffeetafel in Sønderjylland als besonders üp pig aufgefasst wurde, gehört auch die besondere Art des Servierens. Die Ku chenplatten wurden in recht schnellem Tempo herumgereicht, und jeder stapelte drei, vier oder noch mehr verschiedene Kuchen auf seinen Teller. Da mit schuf man einen gewissen ruhigen Zeitraum, indem beispielsweise Re den gehalten werden konnten, ehe die Kuchenplatten wieder herum gereicht wur den. Die aufmer k sa me Wir tin verfolgte gespannt, ob die Gäste genügend be kamen und alles pro bier ten. Anderenfalls nötigte sie die Gäste durch mehr oder weniger sanften Druck, doch noch ein weiteres Stück zu nehmen. Dieses Phä nomen des „sanften Drucks“ hielt sich als Sitte in Sønderjylland vielleicht noch länger als im übri gen Dänemark. 

Heute gibt es die Kaffeetafel zwar immer noch gelegentlich, aber in eher „ab gespeckter“ Form. Der bekannte deutsche Autor Siegfried Lenz hat seine Qua len damit in dem Text „Jütländische Kaffeetafel“ (2008, zuerst in: „Der Zaun gast“, 2007) beschrieben. Wenn heute nicht mehr die komplette Kaffee tafel mit zahlreichen fetten Kuchen und Milchbrötchen serviert wird, liegt dies wohl an einer geänderten Auffassung des sen, was gesund ist, und einem mo der nen Schönheitsideal. Die moderne, städtisch geprägte Gesellschaft bietet auch nicht mehr die Möglichkeit, einen solchen Überfluss an Kuchen herzu stel len, da die meisten Frauen heute nicht mehr zuhause arbeiten, und es werden auch nicht mehr diese großen Mengen an Sahne, Eiern und ähnlichen Roh stoffen in den Haus halten produziert. Aber der Mythos der üppigen Kaffeetafel aus Søn der jylland besteht weiterhin.

Quelle:

Inge Adriansen: Det sønderjyske kaffebord – et samspil mellem nationalpolitik og kosttradition (1998) (Die Kaffeetafel in Sønderjylland – zwischen National politik und Essenstradition), sowie: Sønderjysk kogebog (1996) (Kochbuch Sønderjylland)


Ringreiten südlich der Grenze

Wie das Biiken im Winter, so ist das Ringreiten im Sommer auf den nordfriesischen Inseln und auch auf dem Festland ein großes Fest für alle. Zum Zuschauen, zum Mitmachen, auch einfach zum gemeinsamen Feiern. Buden und Festzelte werden aufgebaut und ganz besondere Spielstrecken für die Kinder. Der Umzug beim Abholen des amtierenden Königs geht durch das ganze Dorf und wenn dann die neuen Sieger feststehen, zieht wieder eine stolze Reiterschar samt Blasmusik an allen Häusern vorbei. Der eine oder andere Stopp, damit den Reitern mit einem kräftigen gehaltvollen Schluck gratuliert werden kann, gehört dazu, solange alle fest im Sattel sitzen.

Ringreiten hat eine lange Tradition auf den Inseln und auf dem Festland an der Nordsee-Küste. Immer waren es nur Männer, die die fröhlichen Reiterspiele zum allsommerlichen Wettkampf machten. Aber seit 1989 gibt es zunehmend auch "Frauen-Ringreitervereine". Ein Angriff auf die traditionelle Männerdomäne – wie auch beim "Ringreiten für Kurgäste", dem großen Ansporn für inselfremde Pferdenarren. Auch da ist weibliche Reit- und Zielkunst inzwischen sehr gefragt.

Wenn die festlich uniformierten Reiter mit ihren Lanzen auf den Ring am Galgen zielen, dann sieht das viel, viel einfacher aus, als es ist. Um das „Ringlein zu stechen“, muss man viel Übung haben. Die Ringreiter führen auf moderne Art mittelalterliche Reiterspiele fort,  wie auch beim "Rolandreiten" (das ist das Zielen auf hölzerne Rolandsfiguren). 
Der eigentliche Sport, die eigentliche Kunst beim Ringreiten besteht darin, im Galopp mit einer langen Lanze möglichst häufig die bei mehreren Durchgängen immer kleiner werdenden Ringe zu stechen. Der Ring hat einen Durchmesser von 11 mm bis 32 mm, die Lanze hat eine Länge zwischen 50 und 160 cm. Der Ring hängt an einer Leine zwischen zwei meterhohen Galgen an einem Magneten. Mittendurch muss er auf der Lanze aufgespießt werden, damit es einen Punkt gibt. Mit den Runden wird der Ring kleiner, schließlich kommt der besonders kleine, der Königsring.

Für die Zuschauer ist es besonders aufregend, wenn nicht nur in den einzelnen Gemeinden die Feste stattfinden, sondern wenn auf Föhr inselübergreifend das  Bundesringreiten der Föhrer Vereine um begehrte Wanderpokale von mehr als hundert Pferden und Reitern ausgefochten wird. (www.ringreiten.de)


Ringreiten nördlich der Grenze

Die großen Ringreiterfeste im Laufe des Sommers entspringen alten Tradi­ti o nen, die sich zu umfassenden, populären Veranstaltungen entwickelt haben. Neben den sportlichen Wettbewerben, die an die mittelalterlichen Ritterturniere anknüpfen, sind es umfassende Volksfeste mit Schaustellern und Musikveran staltungen. Die Ringreiten, besonders in Sønderborg und Aabenraa, sind große Ereignisse, die sich über drei bis vier Tage erstrecken.

Ritterturniere 
Ursprünglich war das Ringreiten eine der Disziplinen bei den an europäischen Fürsten- und Königshöfen beliebten Ritterturnieren. In Dänemark wurden bei spielsweise Ringreiten anlässlich der Krönung von Christian d. 4. im Jahre 1596 veranstaltet.
Spätere Zeiten kennen das Ringreiten als Belustigung bei Dorffesten oder an deren Festtagen. Zum Beispiel wurde beim Fest der Silberhochzeit von Chri sti an August von Augustenborg und seiner Gemahlin 1845 auch ein Ringreiten veranstaltet, bei dem mehr als 450 Reiter von der Insel Als teilnahmen.

Sport
Heute kennen wir das Ringreiten als eine Sportart, bei der ein Reiter mit sei nem Pferd im vollen Galopp einen in einem Galgen aufgehängten Ring fangen muss. Dabei gilt, dass der Ring mindestens zwei Galoppsprünge lang nach Pas sage des Galgens auf der Lanze sitzen bleiben muss. Die Ringe ha ben einen Durchmesser zwischen 11 und 32 mm, die Länge der Lanze variiert zwischen 50 bis 160 cm. Beim Ringreiten in Aabenraa 2007 wurden die Ringe noch klei ner – bis zu 5mm Lochdurchmesser, da die Reiter ihre eigenen Lan zen mit sehr dünnen Spitzen benutzen dürfen.

Die Turniere werden normalerweise über zwei Runden abgewickelt. Bei jeder Runde haben die Teilnehmer mehrere Versuche; Gewinner ist derjenige, der die meisten Ringe getroffen hat.

Volkskultur in Sønderjylland 
In Sønderjylland ist das Ringreiten eine weit verbreitete Tradition, die auch in kleinen Dörfern aufrecht erhalten wird – sogar bei Straßenfesten und pri vaten Festen, wobei dann Fahrräder oder Schubkarren die Pferde erstatten kön nen. 
Auch das Ringreiten mit Treckern ist eine Spezialität, die man oft in den klei neren Dörfern der Region erleben kann. Beispielsweise ist das Trecker­ring rei ten in Stollig auf der Halbinsel Løjt Land eines der größten in der Region, an dem nur die historischen Ferguson-Trecker teilnehmen dürfen.
Ringreiten ist ein zentrales Phänomen der Volkskultur in Sønderjylland, was sich auch daran zeigt, dass dieser Sport der ”Ringreiterwurst”, einem popu lären Imbiss, seinen Namen verliehen hat.


Biikefeuer südlich der Grenze

Am 21. Februar, dem Vorabend des Tages von Petri Stuhlfeier, werden auf den Inseln und Halligen und insbesondere auf dem nördlichen Teil des Festlandes im Kreis Nordfriesland alljährlich mehr als 60 Biiken entzündet. Das Wort „Biike“ ist friesisch und bedeutet „Feuerzeichen“. Die Biike besteht im Wesentlichen aus einem Reisighaufen, hie und da gehört auch eine Strohpuppe dazu.

Am kräftigsten ist die Biikentradition, die in der heutigen Form wahrscheinlich auf das 19. Jahrhundert zurückgeht, auf den Inseln Sylt, Amrum und Föhr und auf den Halligen. Eine besondere Rolle spielen die Kinder und die Konfirmanden, die vielerorts traditionell für das Zusammentragen der Biike zuständig sind. Nicht zuletzt auf Sylt, hat das Biikebrennen auch eine Funktion als touristische Attraktion erhalten.

Die Biikentradition geht ursprünglich wahrscheinlich zurück auf einen letztlich heidnischen Brauch, der – wie noch heute etwa der Karneval – mit der Fastnacht durch den Kalender wanderte: Der Winter soll vertrieben werden. Moderneres Beiwerk der Biike wie die Festlegung auf den 21. Februar – auf Sylt ein aus alter Zeit überlieferter Tag der Zusammenkunft und des Gerichts – der „Abschied der Seefahrer“ und gar die Anrufung Wotans gehen auf den Sylter Chronisten Christian Peter Hansen zurück, der sich Mitte des 19. Jahrhundert bemühte, die Geschichte der Friesen griffig darzustellen.

Auf dem nordfriesischen Festland erfuhr das Biikebrennen kräftige Impulse durch das in den 1970er Jahren stärker erwachende nordfriesische Regionalbewusstsein. Davon zeugt beispielsweise der Biikensung von V. Tams Jörgensen (Text) und Knut Kiesewetter (Musik), der 1974 bei der Biike auf dem Stollberg erstmals gesungen wurde. Darin werden die Friesen aufgefordert, sich zu ihrer Identität zu bekennen und die Geister (troole) der Unterlegenheit gegenüber der Mehrheitskultur und der Uneinigkeit zu vertreiben:

Biikensung Refrain und Schlussstrophe

Kam jurt, we wan en iilj heer mååge. Kommt her, wir wollen hier ein Feuer machen
Lätj üs da troole ferdriwe! Lass uns die Geister vertreiben!
Da troole foon iirtids we wan ferjååge. Die Geister der Vergangenheit wollen wir verjagen.
We wan da troole ferdriwe Wir wollen die Geister vertreiben
Üt önj e nåcht da troole we siinje. Hinaus in die Nacht senden wir die Geister
En biiken sü häl as e däi wan we tiinje. Eine Biike so hell wie der Tag wollen wir anzünden.
Kaame ja änkeltwis unti bai bunke, Kommen sie einzeln oder im Haufen,
We wan da troole ferdriwe! Wir wollen die Geister vertreiben!
Wi driwe jam wäch än üt önj e junke. Wir treiben sie fort und hinaus ins Dunkel.
Frasch wan we weese än bliwe! Friesisch wollen wir sein und bleiben!


Johannesfeuer nördlich der Grenze

An vielen Orten im dänischen Teil des Grenzlandes errichtet man am Vorabend des Johannis tags am 23. Juni große Feuer. Diese nordische Tradition entspricht wohl am ehesten dem frie sischen „Biikebrennen“.

Es gibt Gründe, die dafür sprechen, dass das Mittsommerfest ursprünglich ein heidnisches Fest zur Feier der Sommer-Sonnenwende gewesen ist. Der Brauch, bei dem sich die Lokalbevöl ke rung um ein Feuer versammelt, kann auch mit dem früher Gebrauch von Signalfeuern zu tun haben, wobei man große Feuer auf hochgelegenen Orten und weithin sichtbaren Orten an der Küste abbrannte, um Alarme abzugeben oder die Leute einzuberufen.
Unter dem Einfluss der christlichen Kultur wurde das Mittsommerfest nach ”Skt. Hans“ / St. Johannis benannt, also dem dänischen Heiligennamen für Johannes den Täufer. 
Es ist wahrscheinlich auch auf die Denkweise des 16. Jahrhunderts zurück zu führen, das man an vielen Orten dabei eine Figur abbrennt, die eine Hexe darstellen soll, denn nach der Vor stellung dieser Zeit war die kürzeste Nacht des Jahres voll von dem Bösen und magischen Kräf ten, und die Hexen waren auf dem Weg zum Brocken. Das Feuer wurde entzündet, um das Böse fern zu halten.

An vielen Orten umfasst die Tradition im Zusammenhang mit dem Mittsommerabend auch eine Rede, die oft von einer in der Öffentlichkeit bekannten Person gehalten wird. 
Auch werden oft ein oder mehrere Lieder am Feuer gesungen. Das Mittsommerlied von Holger Drachmann ist eng mit den Traditionen des Mittsommerabends verbunden. Durch dieses - einer nationalromantischen Tradition entsprungene – Lied wird im Rahmen des Mittsommer festes auch die dänische Landschaft, die dänische Lebensart und Gesinnung gefeiert.
Von früheren Zeiten her knüpfen sich auch zahlreiche Wettervorhersagen an das Johannisfest, wie zum Beispiel:

”Wenn es an Johannis regnet, wird es sechs Wochen lang regnen.”
”Je mehr es an Johannis regnet, desto kleiner werden die Hasselnüsse.”

Unsere Partner
Region Sønderjylland - Schleswig | Lyren 1 | DK-6330 Padborg | Tel. +45 74 67 05 01 | region@region.dk | sikkerpost.region@region.dk
Telefonzeiten/Terminvereinbarung: Montag-Donnerstag von 8.00-16.30 und Freitags von 8.00-15.00 Uhr DatenschutzImpressumStart